Österreichs Magazin für Segeln, Motorbootfahren und Wassersport

Dieter Loibner

Layline

Dieter Loibners monatliche Kolumne aus der Printausgabe der Yachtrevue

Zwei Wege, ein Ziel [0]

Donnerstag 28. April 2011, 08:45 Uhr

In den achtziger Jahren waren die Amis die absoluten Segelstars, holten von 1984 bis 1992 21 von 25 möglichen Olympiamedaillen. Jetzt sind die Briten (16 Segelmedaillen seit 2000) die neuen Amerikaner, während sich der Riese USA mit der weltweit drittgrößten Bevölkerung und acht Medaillen den Vergleich mit Österreich gefallen lassen muss, das dreimal Gold und einmal Silber holte.
In beiden Ländern gibt es zwei 17-jährige Segelsternchen, auf denen Zukunftshoffnungen ruhen. Lara Vadlau aus Klagenfurt im 470er, und Erika Reineke aus Fort Lauderdale, Florida, im Laser Radial. Sie kennen sich flüchtig aus Opti-Tagen und haben 2010 bei der ISAF Jugend-WM jeweils Bronze geholt. Danach gewann Vadlau im Byte Gold bei den Youth Olympic Games, während Reineke sich den Titel bei der Radial Junioren-WM sicherte. Beide verfügen über gesundes Selbstvertrauen und segeln professionell, während sie auf den Schulabschluss hinarbeiten. Beide wollen vor allem eines: Gold. Beide sind Ausnahmetalente, wären aber ohne elterliches Management heute (noch) nirgends. Nun zu den Unterschieden.
Im Ganzjahresrevier Florida kann Reineke jeden Tag effektiv trainieren. Mamma chauffiert sie zum Club, wo sie gegen Topleute wie Paige Railey matcht. Privatcoach Brad Funk ist auch da und versucht, Fräulein Reineke etwas zu bremsen, damit sie sich technisch und körperlich entwickelt, um auch bei Wind ganz vorne mitreden zu können. Und sie ist im US-Olympiateam, in dem Segler einander klassenübergreifend helfen.
Vadlau, die Österreich schon 2012 in Weymouth im 470er vertreten könnte, hat’s da nicht so leicht, weil sie praktisch das ganze Jahr auf Achse sein muss, für Regatten wie fürs Training. Dann hat sie am 420er mit Tanja Frank und am 470er mit Eva Maria Schimak zwei Vorschoterinnen, die mit der zielstrebigen Kärntnerin im Takt marschieren müssen. Dazu kommen die Lernkurve im 470er, der Mangel an internen Trainingspartnern und knappe Ressourcen. „Papa ist zuständig für alles und der ÖSV unterstützt, wo er kann”, erklärt Vater Ernst Vadlau. „Sportdirektor Fundak hat erkannt, welches Potential in Lara steckt, aber er hat zu wenig finanzielle Mittel.” Dennoch hat Vadlau gegenüber Reineke auch Vorteile, weil sich in Österreich alles auf weniger Teams konzentriert und weil die meisten Topevents in Europa stattfinden.
Reineke schaffte heuer bereits den Sprung in den Olympiakader während Vadlau/Schimak in Palma beim ersten 470er-Weltcupevent teilweise sensationell segelten. „Bei viel Wind fehlt uns noch die Technik”, sagt Vadlau, Österreichs Seglerin des Jahres. Den indirekten Vergleich mit Reineke wird’s heuer noch oft geben, etwa bei der ISAF Jugend-WM in Zadar. Beide können dort gewinnen und wären wohl gerührt. Doch es wäre nur ein Etappensieg auf dem Weg zu Olympiagold – und der Beförderung vom Segelsternchen zum Segelstar.

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