Österreichs Magazin für Segeln, Motorbootfahren und Wassersport

Späte Erkenntnis [0]

Samstag 20. Februar 2010, 06:00 Uhr
Tödliche Kenterung: Die deutsche Yacht Taube war nicht seetüchtig

Die traurige Geschichte ging vor etwa einem Jahr durch alle Medien: Im Jänner 2009 kenterte die deutsche Yacht Taube vor der Küste Marokkos, sechs junge Segler starben. Die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchungen, BSU, hat das tragische Ereignis untersucht und den Bericht online gestellt – mit eindeutigen Ergebnissen: Das Boot war mangelhaft vorbereitet, ausgerüstet und für das Vorhaben nicht geeignet. Die Taube war am Tag des Unglücks nach Einschätzung der Behörde nicht seetüchtig. Ein weiteres Problem stellte die mangelnde Erfahrung der Crew dar. Zitat aus dem Bericht. “Die BSU ist der Auffassung, dass die ständig neue Zusammensetzung der Crew sowie das Nichtbestehen einer klaren Bordhierarchie der Taube letztlich zum Verhängnis wurden. Das Kentern selbst ist zwar vorrangig auf den Seegang vor Ort zurückzuführen, und war insoweit unabhängig von der Segelerfahrung der Crew. Jedoch waren die Entscheidungen, aus Larache aus- und in Mehdia einzulaufen, Folge seglerischer Unerfahrenheit, mangelnder Bordhierarchie und mangelnder Revierkenntnisse.

Der Hergang wird wie folgt geschildert: Die Taube (Einzelbau, 8,25 Meter lang) sollte am Nachmittag des 20. Januar 2009 in den Fluß Sebou an der marokkanischen Atlantikküste einlaufen, eine komplizierte Ansteuerung mit gewöhnlich starker Grundsee und Brandungswellen. An Bord der Taube, einem Vereinsboot: Eine international bunt gemischte Crew, sieben junge Leute zwischen 17 und 28 Jahren, alle Teilnehmer eines “Völkerverständigungsprojektes. Die Crew bereitete sich auf das Einlaufen in die Flussmündung vor. Üblicherweise wurde hierfür der Motor gestartet. Seit es in einem der vorigen Häfen zu einer Grundberührung während des Einlaufens gekommen war, hatte man es sich auf der Taube zudem zur Routine gemacht, das Schwert aufzuholen. Vor der Mündung des Sebou gelang es zunächst nicht, den Motor zu starten. Die drei männlichen Deutschen, unter ihnen der Schiffsführer, waren durch Übermüdung geschwächt, der dritte von ihnen, der nur als Gast mitsegelte, zudem seekrank. Zahllose Versuche, den Motor zu starten, blieben erfolglos. Währenddessen lag die Taube schon fast gleichauf mit den beiden Molenköpfen. Der Schiffsführer zeigte sich wegen der Gefahr einer Grundberührung auf der Barre besorgt und holte das Schwert mittels einer Handkurbel am Kajüttisch auf. Das Schiff begann umgehend, stark zu schwanken.
Der Ansatz, Hilfe anzufordern, scheiterte daran, dass das Funkgerät nicht in Betrieb war. Wenige Sekunden später gelang es noch, den Motor zu starten. Kurz darauf wurde die Taube von einer Brandungswelle getroffen. Durch die Wucht der Welle wurde ein Kajütfenster zerstört. Durch dieses und durch den Niedergang zur Kajüte, der nicht mit einem Schott verschlossen war, strömte Seewasser ein. Die Taube kenterte und trieb zunächst auf der Seite liegend mit den Segeln auf der Wasseroberfläche und sank schnell. Nur eine junge Frau konnte sich schwimmend ans Ufer retten, die anderen starben.

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