Österreichs Magazin für Segeln, Motorbootfahren und Wassersport

Böse Bojen, böses Spiel [1]

Freitag 3. September 2010, 06:00 Uhr
Wie Bojen-Konzessionäre Yachties terrorisieren. Wo sie kassieren dürfen

Es ist eine Szene wie in einem schlechten Kriminalfilm: In stockdunkler Nacht umkreist ein Schlauchboot mit hoher Geschwindigkeit in minimaler Distanz vor Anker liegende Yachten, während der Fahrer einen starken Scheinwerfer auf die verängstigten Personen an Bord richtet. Der Rowdy fährt überdies mehrmals absichtlich gegen den Bug einiger Schiffe. Seine Motivation: Er will den Yachten den Ankerplatz vermiesen, weil sich in der Nähe ein Bojenfeld befindet, für welches er Gebühren eintreibt. Er pocht auf ein angebliches Ankerverbot in diesem Bereich. Eine unerträgliche Situation, die sich erst beruhigt, als die von einem Skipper alarmierte Polizei eintrifft.

Passiert ist dies im Juli 2010 nahe der Bucht Potkucina (Kakan) nahe der beiden Borovnjak-Inseln. Es ist ein sehr beliebter und bekannter Platz, an dem sich – staatlich genehmigte – Bojen eines Konzessionärs befinden. Bekanntlich sind die Bereiche, in denen private Firmen Bojen auslegen und dafür kassieren dürfen, seit diesem Jahr klar geregelt. Auf der Internet-Seite des kroatischen Seefahrtsministeriums sind die diesbezüglichen Dokumente (auch in Englisch) abrufbar. Die Yachtrevue berichtete darüber ausführlich in der Mai-Ausgabe („Buchten, wo man zahlen muss“) und veröffentlichte schon damals die Liste aller Buchten bzw. Ankerplätze (Der Artikel ist auch im Download-Archiv als PDF erhältlich.)

Der slowenische Segler Marjan Mihelin hat sich zuletzt die Mühe gemacht, die Koordinaten aller Konzessionsgebiete (gemäß dem staatlichen Dokument des Ministeriums) in eine elektronische Seekarte zu übertragen. Mihelin hat (fast) alle Bereiche in den 43 gelisteten Buchten grafisch dargestellt und schuf damit ein wertvolles, sehr hilfreiches Dokument. Dieses Dokument können Sie übrigens in der e-yachtrevue, der Online-Ausgabe der Yachtrevue, downloaden; dort finden Sie auch den gesamten, vierseitigen Artikel zu diesem Thema.

Was man noch wissen sollte: Nicht in dieser staatlichen Bojen-Buchten-Liste angeführt sind so genannte „Häfen“, jene zu Ortschaften gehörenden Bereiche, in denen die Gemeinden bzw. Hafenämter (Lucka uprava) selbst kassieren dürfen. Solche gibt es beispielsweise westlich von Trogir oder auf Mljet in der Bucht Okuklje. Diese Überschneidung führt derzeit bei den Yachties verständlicherweise zu Verwirrung und vor Ort zu Streitigkeiten.

Für den Zugriff auf die
e-yachtrevue gibt es übrigens ein super Sonderangebot für ein Halbjahresabo: Sie bestimmen als Käufer selbst den Preis, den Sie als angemessen erachten! Das Angebot hat keinen Haken, das Abo endet nach sechs Monaten automatisch.

Gewusst wo: Download der betreffenden Dokumente
PDF von Marjan Mihelin mit grafisch dargestellten Konzessionsbereichen aller gelisteten Buchten: www.yachtrevue.at/e-magazin, Ausgabe 9/2010

Offizielle Liste der Buchten und Ankerplätze als PDF, zuletzt Ende Mai 2010 aktualisiertes Dokument des kroatischen Ministeriums: www.mmpi.hr, Startseite, englisch und kroatisch, 1. Spalte, Nautical Anchorages sowie Terms and Conditions

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Kommentare

Ein Kommentar zu “Böse Bojen, böses Spiel”
  1. Leopold Holzhacker sagt:

    Ich war mit einer BAVARIA 50C von 21.8. bis 28.08.2010 in HR und habe 3 Buchten mit Bojenfelder genutzt. Hier meine Erfahrungen damit.

    1) 22.8. ZIRJE, U. Stupica V.
    Die Boje machte einen guten Eindruck und schaut gepflegt aus. Liegegebühr HRK 200,–
    Der Kassier konnte “leider” keine Quittung ausstellen, da ihm offenbar das “Papier” ausgegangen war. Ob ein Mistsack entgegengenommen wird, konnte ich nicht prüfen, da wir keinen Bedarf einer Abfallentsorgung hatten.

    2) 24.8. BRAC, U. Lucice
    Die Boje schaut ungepflegt aus, das Seil ist mit einem ca. 5cm starken rundum Bewuchs ummantelt. Wie es darunter ausschaut will ich gar nicht wissen….vielleicht im Bedarfsfall und entsprechendem Schwell in der Bucht. Glücklicher Weise war die See spiegelglatt…
    Liegegebühr HRK 300,– Der überaus freundliche Kassier stellte eine ordnungsgemäße Quittung aus.
    Leider weigerte er sich beharrlich unseren vollen Mistsack für eine ordnungsgemäße Abfallentsorgung mitzunehmen. Er verwies darauf, dass ihn sein Chef nicht mit der Abfallentsorgung beauftragt hat und er außerdem hiefür keine Konzession hat.

    3) 26.8. PASMAN, U. Soline
    Die Boje sah überhaupt nicht gut aus, da diese aus einem 5 Liter Plastikkanister und einer alten Taucherboje zusammengebunden, bestand. Das Kunststoffseil mit max. 12mm Stärke war überdies nicht wirklich ausreichend für eine 50er Segelyacht. Da kein Schlechtwetter zu erwarten war, hatten wir daran widerwillig festgemacht. Die überaus freundlichen Jungs mit dem Schlauchboot fragten schon vor dem Kassieren, ob wir einen Mistsack für sie hätten.
    Die 2. Überraschung war dann die Liegegebühr von HRK 175,–

    Mein Resümee zu den kroatischen Bojen:

    a) Offenbar verlangt jeder was er will. Hauptsache ist Geld mit einer minimalen Gegenleistung zu lukrieren.
    b) Die Beschaffenheit und Wartung der Boje interessiert niemanden. Interessant wäre, wenn aufgrund eines Mangels an der Boje (Losreissen der Boje mit samt dem Boot) ein Folgeschaden an der Yacht entsteht, da ja mit der Liegegebühr ein Vertragsverhältnis mit dem Konzessionsnehmer besteht.
    c) Die Abfallentsorgung legt jeder für sich aus. Hier wäre interessant, wie die Konzessionsverträge mit der kroatischen Regierung abgefasst sind und welche Pflichten der Konzessionär wirklich hat.
    (Vorgaben für die Bojenbeschaffenheit, Wartung der Selben, Abfallentsorgung und Gefahrenübergang, etc.)

    Der Törn war aber trotzdem SUPER, da Kroatien eines der schönsten Segelreviere überhaupt ist – noch dazu vor unserer Haustür……
    In diesem Sinne Mast & Schotbruch und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!

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