Im Reich der Bora

Der Velebit sieht bedrohlich aus

Der Velebit sieht bedrohlich aus

Über dem Velebit stehen Wolken und je näher wir dem Gebirge kommen desto bedrohlicher sieht die Situation aus. Dennoch wagen wir uns durch das Tor zur Borahölle die Ljubacka Vrata unter der Brücke zwischen Festland und der Insel Pag in den Velebitski Kanal hinein. Im k.u.k. Segelhandbuch heißt er Kanal Montana und wird genau so gefährlich beschrieben als in den heutigen Hafenhandbüchern. Es besteht aber ein Unterschied, denn im alten Handbuch ist alles viel ausführlicher und genauer beschrieben. Nachdem hier in der Zwischenzeit keine wirkliche nautische Infrastruktur mit Marinas und Häfen entstanden ist stellt es für uns eine unverzichtbare Hilfe dar.
Ein Blick gehört nun immer der Wolkenentwicklung über dem Velebit und ein weiterer Blick zumindest zwei Wetterberichten mit unterschiedlichen Quellen. Die Bora ist milde gestimmt und ausgenommen von ein paar Böen bis knapp 20 kn lässt sie uns gewähren. Als einziges Segelboot im Kanal geht es vorbei an Starigrad und den Paklenica Schluchten zur nächsten Durchfahrt, der Novsko Zdrilo im Segelhandbuch Fiumera piccola genannt. Am Ende der schluchtartigen Durchfahrt werden wir mit den Resten der im Jugoslawienkrieg gesprengten Maslenica Brücke daran erinnert dass der letzte Krieg nicht 100 Jahre sondern erst 20 Jahre zurück liegt. Dann öffnet sich das Novigradsko More, aber nicht für lange, denn unsere Expedition geht weiter in den Zrmanja Fluß, der eine imposante Schlucht eingeschnitten hat. Novigrad, wo wir mit sehr geringen Tiefen zu kämpfen haben ist für tiefgehende Yachten nicht als Platz zum Bleiben bei Bora zu empfehlen. Wir verlegen uns insgesamt drei mal.
Am Tag darauf empfängt uns der Kanal Montana mit spiegelglatter See und Windstille. Wir nutzen die ungewöhnliche Wetterlage dazu dicht unter den Velebit zu gehen und Bucht für Bucht abzuklappern um uns nach Fluchtorten umzusehen. Der schroffe Velebit steht im Kontrast zu den kleinen sehr gepflegten Siedlungen direkt an der Küste. Jeder Felsvorsprung über den die Bora abgelenkt werden kann ist genutzt. Für die Nacht gehen wir nach Pag wo noch ein Platz am Stadtkai zu haben ist. Mit dem Bug nach Norden und alles vorbereitet für ein schnelles Ablegemanöver übernachten wir. Grundsätzlich ist auch Pag bei Bora nicht zu empfehlen.

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