Leere Strände, leere Bunker

Projekt Mare Vostrum: Besuch der Untergangsstellen der Lloyd Dampfer Bregenz und Linz vor Albanien

Leere Strände, leere Bunker

Albanien, dessen Seegebiet vor 100 Jahren Schauplatz der größten österreichischen Schiffskatastrophen war, wird bis heute von Seglern gemieden. Grund war die vollkommene Isolationspolitik von Enver Hoxha und das nach dessen Ende herrschende politische Chaos. Es galt wie im 1. Weltkrieg so auch seit Ende 1945 neuerlich als äußerst gefährliches Seegebiet. Noch heute zeugen die unzähligen Bunker vom Verfolgungswahn eines menschenverachtenden Machtpolitikers. Entlang der Küste stehen wie an einer Perlenkette aufgereiht die Bunker. Angeblich 1 Million Bunker soll es im Land geben und das bei einer Einwohnerzahl von 3 Millionen. Es ist also nicht zu verdenken, dass sich kein Segler in die Fänge von Hoxhas Schergen begeben wollte. So wurde die Umrundung von Korfu auch immer eine enge Angelegenheit, bei der man peinlichst darauf achtete nicht in albanische Gewässer zu gelangen.
Zwischenzeitlich ist Albanien Mitglied der Nato und Beitrittskandidat der EU. Bei unsere Fahrt, die uns von Korfu aus die gesamte albanische Küste hoch und dann wieder herunter führte, sahen wir die nun leer stehenden Bunker, aber auch menschenleere Strände und in Summe jeweils nur zwei Segelschiffe. Nautische Struktur gibt es keine, aber die fehlte uns nicht. In allen Häfen benötigt man sinnvollerweise einen Agenten, was mit der Liegegebühr gemeinsam so zwischen 60 und 100 Euro kostet, wobei wir das Gefühl hatten, dass es sich dabei um „Tagespreise“ handelt. Ausgesprochen interessant waren die unberührte Landschaft und die unglaublich freundlichen Menschen. In Durres, wo man mitten im Handelshafen an der Pier unter den Armen der Hafenkräne festmacht, besuchte uns sogar der Hafenkapitän auf einen Drink an Bord. Er berichtete aus der Geschichte des Landes und von der Rolle der Österreicher im 1. Weltkrieg, erzählte aber auch von seinen nach Italien geflüchteten Verwandten. Den Höhepunkt unseres Törns stelle der Besuch an der Untergangsstelle des Lloyd Dampfers Linz vor Kap Rodoni dar, an der wir für die 2.700 Todesopfer eine Gedenkpost aussetzten. Begleitet wurden wir neuerlich von einem ORF Kamerateam. Der entsprechende Bericht war in der Sendung Oberösterreich heute am 14. Juni 2016 zu sehen.

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