Runde Hundert

100 Tage Vendée Globe liegen im Kielwasser der nauticsport-kapsch und es ist Zeit für einen kurzen Rückblick. Statistisch betrachtet bin ich 2.400 Stunden an Bord einer über die Ozeane jagenden oder dümpelnden, krängenden oder surfenden Hochseerennyacht, ohne jeglichen Komfort und ohne die Möglichkeit, meinen Körper und Geist auch nur einen Augenblick wirklich zu entspannen. Ich bin immer angespannt, beobachtend und jedes Geräusch analysierend auf einer schmalen Liege, in einer Deckshausausnehmung oder hinter dem Steuer mit zunehmenden Mangelerscheinungen, schwankenden Gemütszuständen und inzwischen regelmäßigen Wutausbrüchen infolge psychischer Anspannung.

Praktisch gesehen haben alle Vendée-Globe-Tage die Teilnehmer von der ersten Raceminute an hart gefordert. Dies alles bestärkt mich darin, auf meine alte Lady und das von uns bisher im Teamwork Erbrachte wirklich stolz zu sein. Ja, ja, jetzt höre ich schon die kritischen Stimmen wie "Eigenlob stinkt" oder "noch ist er nicht im Ziel", aber letztendlich haben meine Yacht und ich schon das erste Teilziel längst erreicht. Wir haben ein tolles, spannendes, bisher 24.100 Meilen langes Rennen erfolgreich bestritten. Wir haben alle drei großen Kaps umrundet, haben Flauten, Stürmen, riesigen Wellenbergen und Orkanböen ebenso getrotzt, wie gerissenen Vorstagen, kaputten Mastschienen, dem bockigen Schiffsdiesel, defekter Kielmechanik oder entzundenen Fingern, Augen und Füßen.

Ich mache es aber gerne und ich freue mich über das große Interesse und die Anteilnahme an meinem Abenteuer. Letztendlich mache ich es aber für mich, für meine innere Zufriedenheit und für mein Lebensglück!. Nicht für Ruhm, nicht für Geld und schon gar nicht um irgend Jemandem, außer mir selbst, etwas beweisen zu wollen!

Ich bin als 11. mit der ältesten Yacht und dem kleinsten Budget immer noch im Rennen und so das Schicksal dies alles respektiert, erwartet uns beiden geschundenen im Laufe der nächsten Woche die Äquatorüberquerung von Süd nach Nord und danach der letzte lange Schlag durch den Nordatlantik, vorbei am Azorenhoch und hinein in die Biskaya zum Zielhafen Les Sables.

Liebe Grüße
Norbert

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