Zwischenbilanz

16 Renntage bei der Vendée Globe 2008 sind geschlagen. Während die Führenden des Feldes sich bereits auf der Südhalbkugel befinden, werde ich mit der nauticsport-kapsch voraussichtlich am Donnerstag, also am 18. Fahrtag den Äquator überqueren. Bisher war der Rennverlauf für mich so wie erwartet.

Vergleicht man meine Position so entspricht sie in etwa der von 2004. Man könnte auch sagen diesmal bin ich Karin Leibovici, welche mit dem ältesten Boot der Flotte ein zwar langsames aber solides Rennen bestritt. Mein bisheriges Spitzenetmal liegt bei 284 sm ÜG.
Natürlich hat die nauticsport-kapsch noch einiges an Reserven aber wie bereits die ersten Renntage gezeigt haben ist es zwischen Triumph und Niederlage nur ein sehr, sehr schmaler Pfad. Diese Tatsache mussten letztendlich auch einige der Superstars schmerzvoll zur Kenntnis nehmen.
Während ich diese Zeilen tippe, hackt das Boot gerade durch eine zwar grundsätzlich friedliche, jedoch mit kurzer Welle bestückten See und so mancher „Bauchfleck“ lässt die Struktur, vor allem den Kiel, erzittern. Der Kiel ist auch nach wie vor das Sorgenkind Nr.1, allerdings nicht nur bei mir. Während des Schwerwetters in der Biskaya hat es die Führung des Kielkopfes im Mittelteil um einige Millimeter auseinander gedrückt. Es werden bei konfusem Seegang einfach unvorstellbare Kräfte frei, welche vor allem bei Amwindkursen immer für Schäden gut sind.
Wenngleich die Konstruktion diesmal auch wesentlich verstärkt ist beobachte ich jedes Detail mit Argusaugen.
Eindeutig übergeordnetes Ziel meiner Teilnahme ist und bleibt es die Regatta erfolgreich zu beenden. So ich den aktuellen Schnitt halten kann, oder am Heimweg vielleicht noch etwas verbessern, werde ich in etwa die Siegerzeit aus 1996 erreichen, also eine sehr gute Zeit für das Boot ersegeln.
Technische Probleme gab und gibt’s natürlich auch bei mir an Bord. So ist zur Zeit leider der Inmarsat B Terminal nicht einsatzfähig, Modemstöhrung, zwei Umlenkblöcke für das Lazybag sind gebrochen und müssen ersetzt werden, die Führungsplatte des BB-Ruderstockes hatte sich im Biskaya-Schwerwetter gelockert, bei einer Niedergangstür sind Schrauben ausgerissen und das Deck ist trotz intensivster Bemühungen nicht ganz dicht, seitlich sickert Wasser zwischen Deckshaus und Deck ins Innere.
Die Steuerleinen mussten bereits 2 Mal nachgespannt werden und die Blackbox des Autopiloten meldet zeitweise einen Verbindungsfehler. Letzteres ist besonders unangenehm sowie auch gefährlich weil hierbei auch gleichzeitig der Autopilot auf Standby geht.
Last but not least musste ich am Großbaum bereits einige Reffleinen und den Unterliekstrecker nachsetzen, da sie starke Scheuerstellen hatten.
Nun, die Liste kann sich also sehen lassen, wenngleich hierbei nichts Ungewöhnliches ist. Jeder Teilnehmer, jede Yacht hat so ihre Sorgenpunkte, Beschädigungen oder Teilausfälle. Dies ist angesichts der harten Nutzung einfach unumgänglich.
Auf die nauticsport-kapsch bezogen ist jedoch die Gesamtausstattung sowie das Handling wesentlich verbessert. Ich genieße die neuen Segel, wenn auch der Spinnaker schon nach wenigen Stunden aus den Lieken geflogen ist. Ich habe diesmal ja noch einen Zweiten.
Das Deckslayout ist komplett. Die Innenausstattung angenehmer, wenngleich es natürlich immer noch sehr spartanisch zu geht.
Im Resümee ist die Yacht zurzeit noch voll einsatzfähig und hat keine technischen Totalausfälle.
Persönlich geht es mir sehr gut. Ich habe mich diesmal körperlich optimal vorbereitet. Zwar hat am Starttag in der Biskaya auch bei mir die Seekrankheit zugeschlagen aber nach einigen Stunden hatte ich es überstanden und das wird wohl auch bis zum Regattaende so bleiben.
Nun freue ich mich auf den Süden und hoffe das ich in spätestens 15 Wochen den Äquator zum zweiten Mal übersegeln werde.

Liebe Grüße
Norbert

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