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Marx wurde heuer 200. Der Kapitalismus, den er analysierte und kritisierte, hat ihn zwar überlebt, ist aber ein Auslaufmodell, weil jetzt, anders als zu Beginn der industriellen Revolution, Profit mit Software erzielt wird, die quasi ohne riesigen Kapitaleinsatz (also ohne große Fabriken und Maschinen) erstellt wird. Diese Programme sind selbstlernend und steuern immer mehr Prozesse, die bisher menschliche Arbeitskraft erforderten. Das trifft Übersetzer, Handwerker und Programmierer ebenso wie den Bootsbau, der technologisch oft noch in den 1970ern steckt. Doch Anfang des 19. Jahrhunderts war das anders, da waren Segelschiffe bekanntermaßen wichtige Instrumente des Handels und der Kriegsführung und somit Wegbereiter der Globalisierung. Weniger erinnerlich ist, dass sie auch bei der Geburt der maschinellen Fertigung Pate standen.









 

Der Schotblock und die Revolution

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Fast bis zum Himmel reichte der Stapel Boote auf seinem Anhänger. Schick waren sie nicht, diese kleinen Dingis, aber voller Charakter. Und sie erzählten Geschichten, die sie über Jahrzehnte in ihre Planken aufgesogen hatten. Dan hieß der Mann am Steuer des Pickups, ein gutmütiger Bär, der auf dem Heimweg nach Kalifornien geduldig auf die nächste Fähre zum Festland wartete. „Wracks, die ich zusammengeschnorrt habe, um sie mit meinen Schülern zu res­taurieren“, antwortete er auf die sich aufdrängende Frage. Das ist nun schon einige Jahre her.









 

Der beste Tag

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Handwerk, so sagt man, hat einen goldenen Boden. Bootsbauer sind derzeit besonders gefragt, denn die Auftragsbücher der Werften sind voll. Allerdings findet sich nicht ausreichend qualifiziertes Personal, um alles zeitgerecht abzuarbeiten und auszuliefern. Die Wartezeiten ziehen sich und viele jammern über den Geschäftsentgang. Aber so schaut es aus, wenn das Analoge Rache nimmt am Digitalen und am Mantra “Uni oder nix”. Die Welt ist voll von Akademikern, die in der Regel viel wissen, aber wenig Konkretes schaffen (Spieglein, Spieglein an der Wand …). Wenn alle Programmieren lernen und sich mit Prozessoptimierung herumschlagen, aber keiner an der Werkbank steht, wer soll dann noch ”normales Zeug” herstellen? Die Polen? Shenzhen? Und überhaupt: Kommen nicht eh bald die Roboter und das bedingungslose Grundeinkommen?









 

Leo hat Handwerk

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Kennen Sie Paul Bieker? Nein? Kein Grund für falsche Scham. Ist ja keiner, der gern und oft im Rampenlicht steht. Ich nenne ihn spaßhalber den Effizienzpapst und der hat mir unlängst Audienz gewährt. Nicht in einem Palast, sondern in einem unscheinbaren Büro, im Stadtteil Ballard in Seattle, wo Schlepper, Fähren und Fahrzeuge für die Berufsfischerei gebaut werden.









 

Eminent effizient

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Wie lange lass ich mir so viel Bullshit noch gefallen? Der Internetprovider will mal wieder mehr Kohle für weniger Leistung. Geldgierige Investoren schmeißen verdiente Kollegen raus, weil sie Gehaltsempfänger sind. Und die Marie für meinen Rentenkreuzer kassiert eine Uni, die der Tochter ein imposantes aber wertloses Bachelor-Degree aushändigen wird. Hauptsache, unterm Strich stimmt's und der Hamster rennt brav in seinem Radl.









 

Die Arche des App

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Das Meer, so heißt es, findet unbarmherzig die Schwachstelle an Schiff und Besatzung. Kleinigkeiten, die schiefgehen, können sich von einem Moment zum anderen zum gigantischen Clusterfuck ausweiten. Grad so, wie es Karl-Heinz Meer Senior und Junior aus Westfahlen am eigenen Leibe erfahren mussten. Sie hatten sich bei eBay eine betagte Oceanis 430 zum Schnäppchenpreis geholt und wollten damit gleich auf der ersten Fahrt von Panama nach Bremerhaven schippern. Ein Abenteuer, das im Rettungshubschrauber endete.









 

Zahlen, bitte!

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Surfen in Hawaii? Safari in Sambia? Trekking in Nepal? Maturareisen zu exotischen Destinationen sind en vogue. Wer authentisches Abenteuer im Sinn hat, könnte es auch wie Henry Veitenhans machen. Der 17-Jährige schloss kürzlich die Highschool in Port Townsend im US-Bundesstaat Washington ab und erklärte das berüchtigte Race to Alaska zu seiner Maturareise: 750 Meilen im offenen Boot nach Ketchikan, bei knapp zweistelligen Wasser- und Lufttemperaturen. Erlaubte Vortriebsmittel: Wind und Muskelkraft.









 

Erst Abi, dann Alaska

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„Wir laden uns’re Batterie, jetzt sind wir voller Energie. Wir sind die Roboter, wir sind die Roboter … Wir funktionier’n automatik, jetzt woll’n wir tanzen mechanik. Wir sind die Roboter … Ja tvoi sluga, ja tvoi rabotnik. Wir sind auf alles programmiert und was du willst wird ausgeführt.“









 

Alles Algorithmus

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Was ist bloß los mit dieser Welt? Oben ist unten. Falsch ist richtig. Fake ist echt und die Wahrheit verloren. Wie soll man sich in diesem Chaos zurecht finden? Vor allem jetzt, nachdem Bob Grieser* alias „The Reverend Bobby G from the Church by the Sea”, abgelegt hat für den letzten Schlag nach Fiddler's Green, wo Helden für immer vor Anker gehen.









 

Abgang eines Großen

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Von Schottland nach Island. Oder über die Färöer nach Norwegen. Was nach einer Pilgerfahrt zu Europas großen Fußballnationen klingt, war immer ein Törn auf Abwegen im offenen Sperrholzdingi. Autark und ohne RIB, LED, GPS, AIS, UKW oder Satellitentelefon. Auch ohne Goretex und Funktionsunterwäsche. Aber auch ohne Schiss. Einfach machen. Nein, nachmachen. Denn Frank Dye, ein kurzsichtiger, leicht pummeliger Autohändler aus Norfolk, ist solche Touren in den 1960er Jahren mit einer 4,80 m kurzen Wayfarer-Jolle namens Wanderer gesegelt. Meist mit unverheirateten und bekloppten Vorschotern, die auf Abenteuer pur aus waren. Aber auch mit seiner Frau Margaret, die zwar vom Segeln keinen Tau hatte, aber fast genauso zäh war wie Skipper Frank, schon zu Lebzeiten eine Legende vor dem Herrn. Sein Beiname: „Der Verrückte des Atlantiks”. Unter anderem deswegen, weil er am 28. Juli 1964 mit seinem Schoten Bill Brockbank mitten auf der Norwegischen See einen Monstersturm mit neun Windstärken abwetterte. Viermal gekentert, viermal im 12 Grad kalten Wasser. Mast gebrochen. Verpflegung und Werkzeug, zack, über Bord. Aber der Klabautermann war nachsichtig. Als die beiden Tage später unter Notrigg im norwegischen Hafen Aalesund einliefen und klar wurde, was sie auf dem Törn, den Dye “Summer Cruise” nannte, auszuhalten hatten, meinten die Fischer nur: „You are madmans”.









 

Der Verrückte des Atlantiks