A Kist’n mit zwa Kuf’n

”Meinen Dank an den Mehrrümpfer, der von 1976 bis 2008 im olympischen Programm war – es tut uns leid, uns von diesem Freund zu verabschieden.” So sprach ISAF-Präsident Göran Petersson. Der Kat hat seine Schuldigkeit getan, der Kat kann gehen. Skibewerbe ohne Abfahrtslauf? Leichtathletik ohne 100-Meter-Sprint? Undenkbar. Olympia ohne Kats eigentlich auch, aber aufgrund des drehenden politischen Windes blieben der Mehrrumpfbewerb und damit auch der Tornado bei der Abstimmung über die olympischen Segelbewerbe 2012 in einem Flautenloch hängen. Wenn hinter den Kulissen kein Wunder passiert und die ISAF den Beschluss unter dem Druck der Katlobby nicht rückgängig macht, ist olympisches Segeln auf zwei Rümpfen bis auf Weiteres Geschichte.
Als Kind der sechziger Jahre erlaube ich mir, dem Tornado eine nostalgische Träne nachzuweinen. Nicht der “Anabolikaversion” mit Doppeltrapez, Gennaker, und Kohlefasermast, die den Profis alles abverlangt. “Einmal packen wir’s noch, dann ist Schluss”, sagte John Lovell, der mit Charlie Ogletree 2004 in Athen hinter Hagara/Steinacher für die USA Silber holte. “Schließlich sind wir beide schon 40.” Schon 40? Fängt der Spaß da nicht erst richtig an? Mein Herz schlägt für den Ur-Tornado, ein Schiff, mit dem Paul Elvström mit 55 Europameister wurde und mit Tochter Trine ein Jahr später, bei den Olympischen Spielen 1984, beinahe noch eine Medaille holte.
In unseren frühen Segeljahren war ein Holztornado integraler Bestandteil des Familienprogramms. Ob bei Flaute am See oder bei Maes?tral im Pas?manski Kanal, unser Sperrholzbomber war kugelsicher und allem gewachsen. Im Vergleich zu den Boliden, die Hagara & Co heute pilotieren, war’s ein Ford Model T. Doch unsere Auftritte hatten stets Unterhaltungswert, wie z. B. der erste Zusammenbau auf der Clubwiese, unter argwöhnischer Betrachtung der Agnostiker: „Woa, zwa Kuf’n! Bricht de Kist’n nit glei ausanonda?” (Die WM-Titel von Robert Jessenig und Hans Polaschegg 1972 und 1974 brachten Licht ins Dunkel.) Dazu gab es Tagesritte von Biograd in die damals noch fast unberührten Kornaten. Regatta bin ich auch gesegelt. Einmal. Bequem. Souverän. Ledero*. Bald kamen andere Boote, aber keines, das ich mit so unbeschwerten Erinnerungen assoziiere wie den Holztornado, der anfangs kaum ernst genommen wurde. Trotzdem wurde die Klasse später eine der stärksten im Club und das seglerische Aushängeschild der Nation. Jetzt scheint sich dies zu ändern. Aber so wie unsere „Kist’n mit zwa Kuf’n” nicht auseinander gebrochen war, geht’s auch für den Tornado weiter. Mit oder ohne Olympia.

* Anmerkung d. Red.: abgeleitet von abledern, schlecht segeln bzw. Letzter werden

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