Abenteuer zu verkaufen

Eigentlich wollte ich ihr nur ein Buch verkaufen. Über die vielen kleinen und größeren Sünden, die wir ach so grünen Segler begehen ohne nachzudenken. Vorsichtshalber fragte ich die aparte Dame aber, was sie an meinen Messesand führt. „Ich segle gerade um die Welt und bin derzeit in San Francisco. Clipper Round the World Yacht Race, you know.” Bumm. Ein Satz und das Thema war gewechselt. Elisa Jenkins, eine 31-jährige Kandierin, ist Dauercrew auf Cape Breton Island, einem der 10 Boote, die gerade im Renntempo 35.000 Meilen um die Welt abspulen. Erfunden vom englischen Weltumsegler Papst Sir Robin Knox-Johnston und erstmals 1995 abgehalten, machen beim jetzigen Clipper Race 430 SelgerInnen (Alter:18 bis 69) aus 41 Nationen mit.
Toll, wenn da nicht das Geld wäre. Eine Etappe kostet ca. 4.600 Euro, während das gesamte Rennen für 37.000 Euro wohlfeil ist. Ein Haufen Schotter fürs Privileg, sich abzurackern, zu frieren, zu schwitzen und sich auf manchen Etappen die Koje mit Fremden zu teilen. Aber Jenkins’ Geschichte macht vieles plausibel. „Als ich mir das Segeln beibrachte,” erklärte sie, „wollte ich nur quer über die Bucht und zurück ohne abzusaufen.” Aber als das Clipper Race 2008 in Sydney an der kanadischen Ostküste Station machte, sprach sie mit einer Teilnehmerin und entschied: Will ich auch.
Mit ihrem Gehalt als Physiotherapeutin war’s unmöglich, also begann sie Sponsoren zu suchen und half einer Krebsförderung Spenden sammeln. Für mehr als zwei Etappen reichte es aber nicht. Dann hörte sie, dass ihre Heimatstadt ein Schiff sponsert und bewarb sich. Und sie hatte Glück. Sie bekam alle acht Etappen finanziert und verpflichtete sich im Gegenzug, als segelnde Botschafterin von Sydney, Nova Scotia, aufzutreten. Und dies tut sie auch mit Hingabe, allerdings hat sie ein Sekundärmotiv. „Regattasegeln ist für mich Mittel zum Zweck. Nur so lerne ich in 10 Monaten alles, was ich können und wissen muss, um selbst ein Schiff auszurüsten und um die Welt zu segeln. Wollte ich mir das selber beibringen, dauert das mindestens 20 Jahre.” Dann könne sie ja ein Inserat aufgeben: „Weltumseglerin mit Schiff sucht Mann mit Hochsee-Erfahrung. Sonst läuft das ja eher umgekehrt.”
Vorher muss sie die gekauften Abenteuer bestehen: Während eines Wachwechsels auf der stürmischen Pazifiketappe von Quingdao nach San Francisco wäre Jenkins beinahe über Bord gewaschen worden, gerade als sie den Sicherheitsgurt auf dem Weg zum Niedergang ausgeklinkt hatte. Wäre sie nicht mit Wucht gegen den Traveller geprallt, wer weiß, ob sie mir je begegnet wäre. Ihr Highlight: „Unter der Golden Gate nach 29 Tagen und fast 6.000 Meilen als Etappensieger durchzusegeln. Auch wenn mir käuflich erworbenes Abenteuer suspekt ist, scheint Elisa Jenkins damit das Tor zum Seglerleben aufgestoßen zu haben. Und das Buch? Hat sie nicht gekauft.

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