Ainslies Ausraster

Mein Albtraum. Ich bin Charlie. Nicht Chaplin, sondern Ainslie, besser bekannt als Benedict. Englands Supermann und Supersegler. Dreimal olympisches Gold, einmal Silber, plus zehn WM-Titel stehen zu Buche und es geht weiter: Going for Gold in Weymouth 2012 und bei der ISAF WM 2011 hol’ ich vorher meinen sechsten Finn-Titel. Die Konkurrenz ist hart, aber ich bin härter. Talentiert, konzentriert, ungeniert. Schnell sind viele, doch gewinnen kann nur, wer die Mindgames beherrscht und da kenn’ ich mich aus. Am Land der Rockstar, am Wasser das Tier. Ein bisserl schizo, aber höchst erfolgreich. Don’t fuck with Charlie. Die Idioten vom Fernsehen, die mir während der Wettfahrt vor der Nase herumgurken, werden’s gleich merken. Auf Anbrüllen reagieren sie nicht, also steig ich aufs Schlaucherl, und sag’ meine Meinung. Handfest. Und zum Schluss: flotter Abgang mit Köpfler.
Dann wach’ ich auf. Mein Traum war gar keiner. Ainslie, der Segelgott, rastet aus und imitiert Zidane, den Fußballgott, der beim WM-Finale einem Gegenspieler seine Meinung per Kopfstoß kundtat. Statt historische WM-Titel gab’s für beide die rote Karte. Ainslie, der sich mit der Aktion um den fast sicheren Titel brachte, und die übereifrige TV-Crew gestanden ihre Fehler ein, entschuldigten sich und gingen ihre Wege. Viel Lärm um nichts? Das wäre zu einfach. Dass die ISAF den Mumm hat, ein Aushängeschild wie Ainslie zu sperren, wie sie es mit unbekannten Sündern tut, ist wohl Illusion. Erstens waren die TV-Leute im ISAF-Auftrag unterwegs und zweitens wird der Verband kaum seine ungelenken Versuche torpedieren, den Sport „aufzusexen”, um den bedrohten Olympiastatus zu halten. Wie Faust hat Segeln seine Seele verzockt und muss nun dafür bezahlen. Dass man solche Eskalationen als festen Bestandteil eines TV-Sports akzeptieren müsse, wie Ainslie auf seiner Webseite andeutet, ist die Sicht eines Rockstars. Doch der Rest von uns, dem TV-Kameras und Ausraster gestohlen bleiben können, muss Klassen und Events wählen, in denen es ruhiger zugeht. Davon gibt’s ja noch ein paar.

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Wenn es draußen stürmt und schneit, hocken Lehnstuhlkapitäne wie ich vor dem Kamin (wegen Klimawandels mit Heißgetränk, aber ohne Feuer), träumen von Abenteuern unter Segeln und lassen sich dabei von jenen inspirieren, die harte Meilen machen, anstatt ihr Social-Media-Profil zu optimieren.









 

Still und statisch

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Unlängst schaute der Kapitän der Kreuzpeilung vorbei. Große Freude. Alle heiligen Zeiten passiert das und heuer war’s wieder soweit. Gut steht er im Lack. Und modisch schulden wir uns absolut nix. „Rentner-Chic“ nennt meine Frau die Kapperl-Shorts-T-Shirt-Combo mit der wir zur Tour de Portlandia antraten: Tacos bei ¿porque no?, die Willamette Wasserfälle in Oregon City (nach Wassermenge die zweitgrößten der USA) und der legere Fluss-Segelklub unweit der Med Uni, der auch gut an die Alte Donau passen würde.









 

Nukes und Walzer

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Amazon hat uns an der Nase herumgeführt, oh Schreck. Das Versprechen der Klimaneutralität bis 2040, wurde von einer banalen Realität überholt: Der firmeneigene Ausstoß klimaschädlicher Gase stieg von 2019 bis 2021 um fast 40%, auf mehr als 71 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent durch die Covid-Konjunktur für den Onlinehandel. Mehr Umsatz, mehr Lager, mehr Leute, mehr Flieger, mehr Laster, mehr Emissionen, logisch. Aber unbequeme Wahrheiten lassen sich grünfärben und das sieht dann so aus: Die ausgestoßene CO2-Menge pro Artikel sei gesunken, so wurde aus 40% Plus ein kleines aber feines Minus der Karbon-Intensität von 1,9%. Dass bei der Berechnung nur Artikel zählten, die unter der Marke Amazon über den virtuellen Ladentisch wanderten, (ca. 1% des Gesamtvolumens), wird diskret verschwiegen.









 

Ein blaues Fitnessstudio

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„Wir schreiben ihnen nicht vor, was sie tun sollen. Sie selbst und ihre Entscheidungen sind die wichtigste Sicherheitseinrichtungen an Bord.“ Das war der Kernsatz des Regattaleiters bei der Steuermannsbesprechung vor dem Start des diesjährigen Race to Alaska (www.r2AK.com). Das ist ein 750-Meilen-Rennen von Port Townsend im US-Bundesstaat Washington, nach Ketchikan, Alaska, ausgeschrieben für Boote, die ausschließlich von Wind- und/oder Muskelkraft angetrieben werden und keine Hilfe von außen in Anspruch nehmen dürfen. Mit anderen Worten: Es wird den Teilnehmern nahegelegt, selbst zu denken, Eigenverantwortung zu übernehmen, und ihre Taktik auf die Fähigkeiten des Bootes und der Besatzung abzustimmen, um nicht als Beispiel für Darwins These der natürlichen Selektion in Erinnerung zu bleiben.









 

Nominiert für den Darwin-Preis

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Der öffentliche US-Radiosender NPR berichtete zwischen den Nachrichten über Corona und Krieg unlängst über das R.U.S.Z., das Reparatur und Service Zentrum in Wien Penzing. Leiter Sepp Eisenriegler erklärte in bestem Englisch den Verschwendungsweltmeistern in Amerika, dass Reparieren für den geplagten Planeten besser sei als Wegschmeißen und neu kaufen. Und dass in Österreich ab 26. April bis zu 200 Euro Reparaturbonus für die Wiederherstellung von kaputten Elektrogeräten bezahlt werden. Und dass er Franchisenehmer in den USA sucht, die sich diesem altmodisch-revolutionären Prinzip anschließen.









 

Fix it, don’t trash it

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Psst! Freizeitboote belasten die Umwelt. Besonders die großen und jene mit viel Kohlefaser. Von der Wiege bis zur Bahre, klimaschädliche Emissionen für und von einem Produkt (etiam tu, Elektroboot), das niemand wirklich braucht, wie’s Zyniker suggerieren. Die Industrie scheute das Thema Nachhaltigkeit lange wie Luzifer das Weihwasser, doch die Tide kippt und nun es gibt’s ernstzunehmende Lösungsansätze, nicht nur Greenwashing.









 

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