Am Anfang war der See

Clubs, Vereine, Gremien und Ausschüsse sind weniger meine Sache, doch wenn der Kärntner Yacht Club Ossiachersee, wo ich die frühen formativen Segeljahre verbracht habe, den 50er feiert, ist das ein paar Reminiszenzen wert. Begonnen hat’s in den späten sechziger Jahren in Sattendorf, auf einem idyllischen Grundstück neben der Standmann Werft. Segeln war anfänglich mehr ein Vorwand, denn der wirkliche Kinderspaß war natürlich das Baden am Steg und das Fischen mit Frau Kastners Zauberteig. Doch wenn der thermische Ost durchstand, wurde der Min (Anm.: Jugendboot, auch die Min) gesattelt und ab ging’s, über den See zum fernen Südufer oder einfach bis Stöcklweingarten. Anfang der Siebziger übersiedelte der Club nach Bodensdorf, etwa fünf Kilometer seeabwärts. Das war höchst suspekt, denn Bodensdorf war eine andere, eine ferne Welt, versteckt hinter dem Seespitz, doch ein lustiges Segellager im neuen Clubanwesen, einem ehemaligen Strandbad, brach den Bann. Strammer Wind war weiterhin Mangelware, doch in der richtigen Umgebung macht auch Segeln auf der Glatze Spaß.
Zu dieser Zeit begann akutes Laserfieber zu grassieren. Die frühen Geräte kosteten 13.000 Schilling, ein Pappenstiel nach heutigem Maßstab. Schmalzl, der lokale Dealer, verschenkte als Einstiegsdroge dunkelblaue Abziehbilder. Fight Pollution, Sail a Laser stand drauf. Natürlich hatte er auch härteres Zeug, wie zum Beispiel ein fetziges Poster, das das Objekt der Begierde in rasanter Gleitfahrt auf der San Francisco Bay zeigte. Dieses Bild sollte für mich Symbol und Kompass werden. Aber voher gab’s noch definierende Erlebnisse wie ein Ostertraining am Balaton, wo die Neoprenhäuteln morgens steifgefroren aus der Dusche des Hotelzimmers kippten und Nationaltrainer Andras Gostonyi die Nahrungsaufnahme am Wasser mit dem legendären Einzeiler regelte: “Hungriges Hund laufen schneller.”
Mit dem Verlassen von Haus und Herd und der Selbstgeißelung als Finnsegler gingen die Unschuldsjahre am See zu Ende. Doch irgendwie wehte es immer aus einer guten Richtung, und das bescherten Wettsegeln gegen Cracks wie Russell Coutts, Peter Holmberg oder Jochen Schümann, Mitfahrgelegenheit beim America’s Cup, einen Platz im Pressezelt bei den olympischen Segelbewerben 1996, Kantensitzen für Cayard, Kostecki und Conner und Margaritas am Großbaum der J-Klasse Endeavour, gefolgt von Privataudienzen bei Paul Elvström und Olin Stephens.
Fast genau 20 Jahre nachdem ich Schmalzls Poster an die Wand gepickt hatte, wurde der Traum Wirklichkeit, und die Gewässer unter der Golden Gate Brücke zur seglerischen Spielwiese. Triumph und Tragödie spielen sich nun genau dort ab, wo das Foto des gleitenden Lasers geschossen wurde. Wie passt das mit den ersten Gehversuchen im KYCO zusammen? Ganz einfach: So wie damals in den frühen Jahren in Sattendorf werden auch hier viele Regatten vom Balkon aus gestartet. Fixe Kurse – auf und ab – fixe Bojen und die gleiche Windrichtung, die mir auch am Ossiacher See das beste Segeln beschert hat: West. Also dann: Zum Wohl, auf die nächsten 50 Jahre meiner Segelwiege.

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Kein Maulheld

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