Gleiten statt hetzen

Dänemark ist anders. Das fällt auf, wenn man ins Reich der angeblich glücklichsten Menschen der Welt reist. Alles ist netter, adretter und bei aller kleinbürgerlichen Spießigkeit trotzdem irgendwie cool. Die sauberen, bunten Häuschen, die gepflegten Gärten und die Langsamkeit des Seins, die Platz schafft fürs Gemütliche und Bodenständige. Man ist dem Gast gegenüber freundlich-reserviert und doch unendlich hilfsbereit.

Hans Spitzauer hat die Dänen deshalb einmal als „Österreicher des Nordens" bezeichnet. Ein Kompliment, doch nur wenn man geflissentlich übersieht, dass die Dänen besser segeln, besser kicken (zumindest qualifizieren sie sich für irgendwas) und sich mit klobigen, alten Holzschiffen besser auskennen. Letzteres ist ein Vermächtnis der Wikinger.

So ein antikes Holztrumm, Bonavista, haben sie nun in Marstal, einem Dorf auf der Insel \u00C6r\u00F8;, restauriert. Eigentlich war's ein Neubau, denn nur ein paar alte Teile konnten aus der originalen Substanz des Schoners gerettet werden, der früher auf der Neufundlandroute gesegelt war. Aber Meisterbootsbauer Ebbe Andersen war's ziemlich wurscht, denn er hatte die Aufgabe, Bonavista wieder auferstehen zu lassen. Nach vier Jahren war es an einem südländisch-warmen Maiensamstag soweit: Bonavistas Rumpf wurde im Beisein einer Rapid-verdächtigen Kulisse und fast 100 Traditionsseglern vom Stapel gelassen. Dänische Fahnen gab’s reichlich und auch Bonavista-\u00D8l, extra für den Anlass gebraut. Ganz nach Protokoll.

Am großen Tag schritten Ebbe und seine Mannen früh zur Tat um alles vorzubereiten. Ganz entspannt, aber mit Methode. Auf die Kielbahn wurde Ochsenfett als Gleitmittel aufgetragen und Schmierseife machte die seitlichen Führungen der Helling glitschig. „Ebbe, warum nimmst du eigentlich das antike Zeug?", wollte ich wissen. Darauf blickte mich der hagere Mittsechziger mit grauem Lockenkopf durch seine Elvis-Costello-Brillen unverwandt an. „Ja warum denn nicht?" kam die Gegenfrage, seelenruhig. „Das funktionierte doch früher auch bestens." Ja, sie sind anders, die Dänen. Man muss sie nur machen lassen. Vielleicht ist da noch was zu lernen.

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