Maßeinheit des Glücks

Falmouth Harbor, Antigua, irgendwann im Frühling 2013. Drei Neugierige, die wir der Diskretion halber „Overboards“ nennen wollen, gehen auf Expedition und tuckern gegen Mitternacht im Gummischlapfen über das Wasser, in dem sich still die Sterne spiegeln. Tuckern ist nicht ganz korrekt, denn am Heck summt leise ein Stromquirl. Die Mission: Den Megayachten am anderen Ende der Bucht unter den Kittel schauen.
Erster Kandidat: Der Kat Hemispheres, fast 50 Meter lang. Unbemerkt von den Dinnergästen im Achtercockpit schleicht sich der kleine Trupp an. Lautlos und im Tarnkappenmodus fahren sie frech zwischen den Rümpfen und damit unter dem Segelpalast durch, begleitet von fetten, faulen Tarpons, die sich im gleißenden Licht der Unterwasserscheinwerfer treiben lassen. Raus geht es zwischen den Hecks, man bleibt ungehört und ungesehen.
Weiter zu Hetairos, der dunkelgrünen 67-Meter-Ketsch mit farblich passendem U-Boot an Deck. Ohne Bugspriet liegt sie da. Wiedermal defekt, wiedermal flügellahm. Daneben, auf einem etwa 25 Meter langen „Kleinkreuzer” gibt es Sitcom-Party im Cockpit mit Rotwein, Bier und Megatron-Bildschirm.
In der Marina liegt die 220 Fuß lange Vertigo, ebenfalls eine Ketsch. Abgedunkelt, Gangway hochgezogen, kein Parteienverkehr. Trotzdem ist es laut. Die Generatoren brummen indiskret, man atmet mehr Dieseldämpfe ein als an einer Truck-Tankstelle. Oben in den wolkenkratzerhohen Riggs blinken roten Warnlichter für den Flugverkehr. Safety first, eh schon wissen.
An der Kippe zur Reizüberflutung zieht es die Truppe heimwärts, nur noch schnell ein Abstecher zur Maltese Falcon, der angeblich größten Segelyacht der Welt. Von einem Dingi aus betrachtet ist dieser 87 Meter lange Dreimaster, dessen Segel horizontal aus den Masten gerollt werden, gefühlte anderthalb Meilen lang …
Danach ist es mucksmäuschenstill an Bord. Der Murl hat gerade noch genug Saft, um in Schleichfahrt die eigene Basis zu erreichen, ein geradezu läppisch kleines 20-Meter-Schiff. Zeit für die Overboards das Gesehene irgendwie zu verdauen. Was gar nicht so einfach ist, denn die geballte pompige Prahlerei überwältigt einerseits die Fantasie, stellte sich andererseits aber auch selbst in Frage: Wie viel braucht es zum Glück und zur Zufriedenheit?

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