Mehr als Mittel zum Zweck

Der salopp, doch korrekt gekleidete Herr gibt geduldig Antworten auf die Frage, wie das nun wirklich sei mit der Nachhaltigkeit im Charterbusiness. Als Präsident von TUI Marine weiß Lex Raas nur zu gut, dass sauberes Wasser und gesunde Umwelt die besten Garanten für gute Geschäfte sind. Nicht alle im Chartergeschäft scheinen diese Binsenweisheit verinnerlichen zu wollen, daher stellt Raas Anspruch auf die Führungsrolle. Öffentlich zur Schau gestelltes Ökobewusstsein ist Teil des Images der weltweit größten Charterfirma mit mehr als 3.500 Booten (Sunsail, The Moorings, Footloose, LeBoat). So stellte TUI Marine unlängst das hybridgetriebene Hausboot LeBoat 1500 vor, das in Sachen Umweltverträglichkeit und Wohnkomfort neue Maßstäbe setzen soll, und verlautbarte den US-Vertrieb des in Slowenien gebauten Greenline 33 Hybrid.
„Wir müssen auf die Umwelt achten, vor allem in ökologisch sensiblen Gegenden,” betont Raas. Und erzählt von der Entwicklung neuer Batterien, die steinzeitliche Bleisäure-Akkus ersetzen werden, die zwar billig, aber giftig und in exotischen Ländern kaum richtig zu entsorgen sind. „Wenn wir im Laufe des Charterlebens einer Yacht die Batterien nur einmal anstelle jährlich tauschen müssen, macht das einen Riesenunterschied.” Zudem kommen umweltfreundlichere Unterwasseranstriche zum Einsatz und man denkt über elektrische Außenborder für Dingis nach. Doch Raas schränkt ein: „Bevor wir Neues einführen, müssen wir rigoros testen und sicher gehen, dass es für den Charterbetrieb geeignet ist und von den Kunden akzeptiert wird.”
Von der Konzernspitze werden die Mitarbeiter unterdessen instruiert, kollektives Umweltbewusstsein an den Tag zu legen. Glaubwürdigkeit ist wichtig und die lässt man sich etwas kosten: ökofreundliche Firmengebäude in Florida, Papiersparaktionen im Büro, Programm zum CO2-Ausgleich, Sponsorentätigkeit für Meeresforschung, Umweltmaßnahmen in firmeneigenen Marinas und Werften, Einsatz von grüneren Putzmitteln. Dennoch bleibt viel zu tun, wie etwa die Reduktion der Einwegplastikflaschen und Verpackungen, die tonnenweise von Chartergästen gebunkert, aber so gut wie nirgendwo in den Segelrevieren wiederverwertet werden. Auch das Toilettenproblem in überfüllten Buchten ist Thema. Man habe zwar Fäkalientanks auf den Yachten, doch die seien wenig nützlich, wenn Kunden sie nicht verwenden können oder wollen, meint Raas. Auch Pumpstationen ohne Kläranlagen machen für ihn wenig Sinn. „Ähnlich wie das Auslegen von Murings zum Schutz der Korallenriffe sind solche Infrastrukturprojekte langwierig, teuer und bedürfen der Kooperation mit lokalen Behörden.” Und genau das ist der Knackpunkt, denn kostspielige Umweltmaßnahmen kollidieren mit der Preisgarantie. Aber auch das weiß der salopp, doch korrekt gekleidete Herr.

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