Mein Cup

Viel wird geredet und geschrieben über den berühmten Cup, den 100 Sovereigns Cup (nicht: 100 Guineen oder gar 100 Pfund Cup), sonst bekannt als der America’s Cup. Bodenlose Kanne und bodenloser Hype für die langweiligste Regatta der Welt, bei der im Schnitt neun von zehn Wettfahrten an der ersten Tonne entschieden sind. Prozessionssegeln für Fortgeschrittene, bei dem seglerisches Können Materialnachteile nicht aufwiegt. Wer zwei Zehntelknoten am Zeichentisch liegen lässt, ist Kulisse. Mit 25 Millionen ist man dabei, mehr aber auch nicht.
Doch wo viel Geld am Spiel steht und Kameras klicken, darf die Abteilung Schön & Reich nicht fehlen. Weil mein Reichtum sich auf Erfahrung beschränkt und meine Schönheit bestenfalls eine innere ist, geht mir der Cup auch am Achtersteven vorbei. Im Gegensatz zu Kollegin JDM (siehe YR 4/2007, S. 74) erkennt mich in der Bad Kleinkirchheimer Blockhaussauna kein Schwanz. Und bei einer Degustation von Kracher-Käse kenn’ ich mich auch nicht aus. Aber mit solchen Defiziten kann ich existieren, denn ich finde Trost in den kleinen Dingen, die das Leben aus dem Ärmel schüttelt wie ein Kartenhai das Pik As, das ihm zum Royal Flush fehlt. Zum Beispiel hab ich meinen eigenen Cup, der zwar nicht bodenlos ist, aber einen Deckel hat. Irden ist er und nicht aus Sterling Silber. Immerhin: Gravur gibt’s auch, wie beim großen Vorbild. Natürlich nicht mit berühmten Schiffsnamen wie Reliance, Ranger oder Courageous, sondern mit „1 L GERZ“. Ganz oben, an der Messmarke. Vorne steht KYCO drauf, das Kürzel, für das so mancher Schelm böse Übersetzungen geliefert hat, doch das die wackeren Segler am Glasteich zu Ossiach seit mehr als 50 Jahren eint. Drüber weht der Clubstander der Kärntner Yachtclubs in einer virtuellen Brise. Ein Maßkrug, gewonnen vor ewigen Zeiten. Welche Klasse, welches Jahr? Keine Ahnung. Unwichtig, denn was zählt ist, dass ich einmal der Beste war. Besser als die, die ein Miniaturkrügerl bekommen haben dafür, dass sie brav hinterher gesegelt waren. Oder ein Viertel- oder Halbliter-Verreckerl, das nichts anderes bedeutet als „gut, aber nicht gut genug.”
Nein, es war mein Tag, es war mein Rennen und dafür gab’s den echten, den geilen Humpen. Der schluckt zwei Hülsen* wie nix und hält das Gute lange kühl. Diskret ist er auch, weil keiner sieht, wie schnell der Flüssigkeitspegel sinkt. Saufen geht nur mit offenem Deckel und nach dem Trinken ist der zu, außer man braucht Nachschub. Harte, simple Regeln. Wer nicht kapiert, zahlt. Proletarisch-bajuwarisch. Gute zwanzig Jahre war er verschollen. Nun kam er wieder zum Vorschein. Im hintersten Winkel, im finstersten Kastl in Mutters Kuchl. Diese Entdeckung war fast so schön wie der Moment der Überreichung, damals vor zig Jahren. Aeolus und die Götter zu Hirt, Göss, Zipf und so weiter, hatten Einsehen.
Bodenlose Silberkanne? Sauna in Kleinkirchheim? Edelschimmel mit Beerenauslese affiniert? Geh, bitte.

* Hülse = volksnahe Definiton für Bierflasche mit 0,5 Liter Inhalt

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