Nukes und Walzer

Unlängst schaute der Kapitän der Kreuzpeilung vorbei. Große Freude. Alle heiligen Zeiten passiert das und heuer war’s wieder soweit. Gut steht er im Lack. Und modisch schulden wir uns absolut nix. „Rentner-Chic“ nennt meine Frau die Kapperl-Shorts-T-Shirt-Combo mit der wir zur Tour de Portlandia antraten: Tacos bei ¿porque no?, die Willamette Wasserfälle in Oregon City (nach Wassermenge die zweitgrößten der USA) und der legere Fluss-Segelklub unweit der Med Uni, der auch gut an die Alte Donau passen würde.

So nett und nah der Willamette River auch sein mag, das Alpha-Gewässer der Region ist der Columbia River. Der inspirierte keinen Walzer, weist aber mehr Gefälle auf und kann mehr als doppelt so viel H2O führen wie die Donau (35,000 m3/s gegen 15,900 m3/s), das er in Astoria 400 Meilen weit in den Pazifik hinausspuckt. Nach dem Besuch des Yakama Nation Museums ist der Kollege den unteren Columbia River entlang gefahren, die karge Landschaft, die Wucht des Wassers und die Kiter in Hood River bestaunend. Meist kachelt’s dort („it‘s nuking“) aus Westen, kerzengerade gegen den Strom. Fazit: Buckelpiste und dichter Verkehr in bodennahen Luftschichten.

Ein Thema für Wassersportkolumnisten, das aber auch die Geschichte streift: Die Kolonialisten, die im Namen des Herrn, der Gier oder der US-Regierung Ureinwohner (z.B. Yakama) dezimierten, sie des Besitzes, der Kultur und der Lebensgrundlage (Lachsfischerei) beraubten und in Reservate sperrten. Dann die Umweltzerstörung: Ab den 1930ern wurden vom Staat mit gigantischem Aufwand riesige Staudämme in die Hochwüste betoniert, zur Stromversorgung des Westens und zur künstlichen Bewässerung von Getreidefeldern, bzw. Obst- und Gemüseplantagen, alles üppig subventioniert.

So kommt’s, dass heute nicht nur Segel- und Brettsportfans Spaß haben dürfen, sondern auch Gutverdiener bei Großkonzernen wie Boeing, Microsoft, Amazon, Starbucks, Nike oder Intel, die nächtens ihre Elektrokarren für schlappe 8 (acht!) Cent pro Kilowattstunde laden können. Billiger Strom vom Fluss befeuert die Energiewende. Doch auch die Apokalypse-Fabrik von Hanford nutzte diese Energiequelle, um Plutonium für jene Atombombe anzureichern, die am 9. August 1945 in Nagasaki mehr als 60,000 Menschen tötete. Heute ist Hanford eine verseuchte und versaute atomare Mülldeponie, die den Boden und das Grundwasser kontaminiert und damit über kurz oder lang auch den Columbia River. „It’s nuking“ gilt dann im Wortsinn. Doch das trifft den Kollegen nicht. Denn er ist längst wieder zurück, zur Donau und zum Walzer.

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Ein blaues Fitnessstudio

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Nominiert für den Darwin-Preis

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Der öffentliche US-Radiosender NPR berichtete zwischen den Nachrichten über Corona und Krieg unlängst über das R.U.S.Z., das Reparatur und Service Zentrum in Wien Penzing. Leiter Sepp Eisenriegler erklärte in bestem Englisch den Verschwendungsweltmeistern in Amerika, dass Reparieren für den geplagten Planeten besser sei als Wegschmeißen und neu kaufen. Und dass in Österreich ab 26. April bis zu 200 Euro Reparaturbonus für die Wiederherstellung von kaputten Elektrogeräten bezahlt werden. Und dass er Franchisenehmer in den USA sucht, die sich diesem altmodisch-revolutionären Prinzip anschließen.









 

Fix it, don’t trash it

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Psst! Freizeitboote belasten die Umwelt. Besonders die großen und jene mit viel Kohlefaser. Von der Wiege bis zur Bahre, klimaschädliche Emissionen für und von einem Produkt (etiam tu, Elektroboot), das niemand wirklich braucht, wie’s Zyniker suggerieren. Die Industrie scheute das Thema Nachhaltigkeit lange wie Luzifer das Weihwasser, doch die Tide kippt und nun es gibt’s ernstzunehmende Lösungsansätze, nicht nur Greenwashing.









 

Fragen stellen

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Kein Maulheld

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