Segeln für jedermann

Winter in Oregon: Kalt, nass, grau. Da kam von US Sailing die Einladung zum National Sailing Programs Symposium in Florida. Nix wie hin. Die Aussicht auf blauen Himmel, Sonne, Sand und Segeln, und dazu in lockerer Atmosphäre Macher und Denker zu treffen, die alljährlich zehntausende Menschen aller Farben und Streifen zum Segeln bringen, war Balsam. Ums kurz zu machen: Es war die beste Segelkonferenz, die je auf meinem Spielplan stand. Vom richtigen Retten in eiskaltem Wasser bis zum Schnellsiedekurs für Sponsoring, vom Yoga am Strand bis zur Unterwassermüllabfuhr mit Roboter, vom Coaching über Regattaleitung bis zum Risikomanagement reichte das vielfältige Angebot – mehr als 70 Events! Bummvolle Seminarräume bewiesen: Segeln im öffentlich Raum kennt keine Krise.
Mit dabei war auch Dawn Riley, die Grande Dame der US-Segelemanzipation. Erste bei so vielem: Whitbread Damencrew (1989), America’s Cup SiegerIn (1992), erstes Frauenteam beim Cup (1995), erste Frau mit eigenem Cup-Team (2000) und, und, und. Mit ihrem Nonprofit AmericaTrue machte sie zudem Segeln in den Armenvierteln vieler Städte beliebt. Heute leitet sie das Oak Cliff Sailng Center in der Nähe von New York. Dort kann jedermann gegen moderates Entgelt die hohe Kunst des Fleet- und Matchracings lernen oder sich zum Segelprofi ausbilden lassen. „Wir konzentrieren uns auf eines: Aus guten Seglern sehr gute zu machen”, erklärt Frau Riley. Mehr als 40 Boote hat das Zentrum, alle von einem reichen Sammler gespendet, darunter mehrere Melges 24 und Laser, eine J/122, ein paar Klassiker und gleich zehn Match 40. „Jeder ist herzlich willkommen. Ein-, zweimal gratis probieren und dann gegen Spende”, lautet die Devise. Mit $ 500 pro Jahr ist man dabei. Das ist ein Pappenstiel, weil man kein eigenes Boot braucht, bei Regatten gratis mittun darf und professionelles Coaching erhält. So ein Segelzentrum gibt es sonst nirgendwo, meint Riley. Sail Oman und der Merrick Trust in England hätten ähnliche Ziele, aber unterschiedliche Mittel und Methoden. „Wir haben uns vieles angesehen und uns vorgenommen, etwas Einzigartiges und Cooles aufzubauen”, erzählt Riley. „Wäre es dies nicht, wäre ich nicht hier.” Auffällig ist die völlige Absenz von Frauenprogrammen, eines ihrer Steckenpferde. „Ehrlich gestanden, Segeln ist darüber hinweg”, sagt Riley trocken. „Sicher, ganz an der Spitze ist es immer noch Männersache, aber nicht bei uns im Oak Cliff Center. Wenn hier Frauen reinkommen, sehen sie eine Frau, die diese Show leitet und sagen sich, „Hey, wenn der Cheftrainer eine Frau ist, warum sollte ich dann nicht segeln?” Das Wichtigste am Konzept, so Riley, ist das Fehlen des Taferls „Nur für Mitglieder”, das Yachtclubs so gern raushängen. Aber genau das ist der springende Punkt. Oak Cliff ist kein Yachtclub sondern ein Segelzentrum, das allen offen steht. „Bei uns ist jeder willkommen”, betont Riley. Alleine dafür hat sich der Trip nach Florida gelohnt.

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