Der beste Tag

Fast bis zum Himmel reichte der Stapel Boote auf seinem Anhänger. Schick waren sie nicht, diese kleinen Dingis, aber voller Charakter. Und sie erzählten Geschichten, die sie über Jahrzehnte in ihre Planken aufgesogen hatten. Dan hieß der Mann am Steuer des Pickups, ein gutmütiger Bär, der auf dem Heimweg nach Kalifornien geduldig auf die nächste Fähre zum Festland wartete. „Wracks, die ich zusammengeschnorrt habe, um sie mit meinen Schülern zu res­taurieren“, antwortete er auf die sich aufdrängende Frage. Das ist nun schon einige Jahre her.

Vor seiner Pensionierung lehrte Dan Tischlerei an der Ponderosa High School in Santa Cruz, deren Name an die Ranch der Westernserie Bonanza erinnert. Eine besondere Schule, deren Stars so gar nichts mit Adam, Ben, Hoss und Little Joe Cartwright gemein haben. „Es sind Kids, die keiner will. Schwererziehbar. Akademisch untauglich. Ausschussware der Gesellschaft, junge Menschen, die mit Obdachlosigkeit, Gangs, Drogen, Waffen, Kriminalität aufwachsen.“ Dan sagt’s mit einer Mischung aus Fürsorge und Resignation. Für sie ist Schule Urlaub. Denn in der Werkstatt der Ponderosa Boat Works sind sie sicher vor Dope, Gewalt und Schießereien. Stattdessen dürfen sie schleifen, schneiden, hobeln, kleben und lackieren, bis das Bötli glänzt und aufgeriggt unten im Hafen auf der Rampe steht. Und dann: Kiste wassern und los!

„Für dich und mich selbstverständlich, für sie eine Erfahrung aus einer anderen Welt“, erzählt Dan. „Anfangs sind sie unsicher, haben Angst.“ Denn die meisten lassen damit das erste Mal das gewohnte und verfluchte Land mit seinen Gefahren und Problemen hinter sich. „Doch wenn sie zurückkommen, strahlen sie vor Freude und Selbstvertrauen. Es ist eine Art Metamorphose, sie fühlen sich wie neu geboren.“ In dem Moment, so Dan, ist ihre Welt plötzlich im Lot. Wenigstens für kurze Zeit, denn die Realität holt sie schnell wieder ein. „Ich mag mich nicht an die Begräbnisse all jener Schüler erinnern, die im Getto erschossen oder erstochen wurden“, sagt Dan regungslos. „Oder an Briefe, die aus dem Knast kommen und in denen steht: Ich sitze in der Hölle. Aber der Tag am Wasser damals, der war der beste Tag in meinem Leben.“

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Vor einem halben Jahrhundert wurde auf der New Yorker Bootsmesse eine kleine Jolle vorgestellt. Einfach gehalten, in knalligen Farben produziert, als strikte Einheitsklasse ausgelegt und für $ 595 (heute etwa € 3.300) wohlfeil, passte das Ding zu der Zeit wie Arsch auf Eimer. „Fight Pollution, Sail a Laser“ hieß der Werbespruch und kein Stein bleib auf dem anderen. Zeit, ein paar Worte über Konstrukteur Bruce Kirby, zu verlieren, der unlängst im Alter von 92 verstarb.









 

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