Das Vermächtnis

Vor einem halben Jahrhundert wurde auf der New Yorker Bootsmesse eine kleine Jolle vorgestellt. Einfach gehalten, in knalligen Farben produziert, als strikte Einheitsklasse ausgelegt und für $ 595 (heute etwa € 3.300) wohlfeil, passte das Ding zu der Zeit wie Arsch auf Eimer. „Fight Pollution, Sail a Laser“ hieß der Werbespruch und kein Stein bleib auf dem anderen. Zeit, ein paar Worte über Konstrukteur Bruce Kirby, zu verlieren, der unlängst im Alter von 92 verstarb.

Kirby, der Kanada dreimal bei Olympischen Spielen vertrat und neben International 14s auch den Sonar (paralympische Kielbootklasse) und zwei kanadische America’s Cup Yachten entwarf, war kein gelernter Konstrukteur, sondern Zeitungsreporter. Nebenher segelte er viel, las Norman Skenes Elements of Yacht Design und baute Boote in der Garage. Eines Tages im Jahr 1969 rief Ian Bruce, seines Zeichens Industriedesigner, Bootsbauer und Freund, an und gab eine kleine GfK-Einhandjolle in Auftrag, die einfach zu bauen und selbst bei günstigem Verkaufspreis noch Gewinn abwerfen sollte. Kirby griff sich einen Notizblock und schleuderte eine Skizze hin, die dem endgültigen Boot erstaunlich nahekam. Nach Ausarbeitung der Details schnürte Bruce den Bootskörper im Herbst 1970 auf und baute die Formen. „Plötzlich gab es etwas, das kein Spielzeug war – es braucht einiges, um das Boot zu segeln –, das man für wenig Geld kaufen und aufs Autodach schmeißen konnte,“ erinnert sich Peter Bjorn, Partner bei Performance Sailcraft, der ersten Laserwerft, in einem Nachruf. Das Boot, das ursprünglich Weekender heißen sollte, verhalf dem Segelsport gemeinsam mit Windsurfer und Hobie Cat zu ungeahnter Popularität, weil es sich sowohl für knallhartes Regattatieren (Olympiaklasse für Mann und Frau) als auch für den Kaffeeschlag mit Freunden eignete. Kirby nannte seinen Entwurf, der es ihm erlaubte, seinen schlecht bezahlten Reporterjob an den Nagel zu hängen, frei übersetzt „Millionen-Kritzelei“, setzte sich damit ein Denkmal und vermachte der Welt eine Konstruktion, die im Laufe der vergangenen 50 Jahre Hunderttausenden den Einstieg in diesen Sport ermöglicht hat.

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Nominiert für den Darwin-Preis

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Kein Maulheld