350 Jahre Robinson Crusoe?

Im Roman strandete Robinson 1659 – das reale Vorbild war 45 Jahre später dran

Kennt jedes Kind: Robinson Crusoe

Kennt jedes Kind: Robinson Crusoe

Im Oktober 1704 erreichten die britischen Schiffe St. George und Cinque Ports auf der Suche nach Süßwasser und frischen Vorräten die unbewohnte Insel MÁs a Tierra („Festlandnächste“) vor der chilenischen Küste. Die Mannschaft bestand aus zwielichtigem Personal. Es waren so genannte Bukaniere, eine Art Auftragspiraten, die, mit Kaperbriefen der jeweiligen verfeindeten Krone ausgestattet, in südlichen Gewässern Jagd auf englische, spanische oder französische Schiffe machten.

Kapitän der St.George war William Dampier, der auch als Naturkundler in die Geschichte eingegangen ist; Humboldt wie Darwin stützten sich später bei ihren Studien auf seine Reisetagebücher und biologischen Beobachtungen. Als Seeräuber war Dampier weniger erfolgreich. Immer wieder überwarf er sich mit seinen Mannschaften. Diesmal war es sein schottischer Segelmeister, der vor einer Weiterfahrt warnte. Bohrwürmer hatten den Rumpf der „Cinque Ports“ beschädigt. Der Streit über das entstandene Risiko endete damit, dass der Navigator, der sich auch zuvor schon über zu geringe Beute beschwert hatte und als Raufbold wie Säufer bekannt war, auf der Insel zurückgelassen wurde – kurz darauf sank das Schiff. Vier Jahre und vier Monate blieb Alexander Selkirk, ausgestattet mit einer kolonialen Grundausstattung – Handwerkszeug, Schusswaffe, Bibel –, auf der Insel.

Diese wahre Geschichte war Vorbild für einen der berühmtesten Romane der Weltliteratur: Robinson Crusoe von Daniel Defoe. Der Autor verlegte die Handlung allerdings um 45 Jahre nach vor und ließ seinen Robinson im Herbst 1659 stranden: „Als ich etwa zehn oder zwölf Tage dort war“, berichtet Mr. Crusoe in dem legendären Reisebericht, „fiel mir ein, dass ich aus Mangel an Papier, Feder und Tinte die Zeitrechnung verlieren und wohl gar die Sonntage nicht mehr von den Werktagen unterscheiden würde. Um das zu verhindern, schnitt ich mit meinem Messer in großen Buchstaben in einen dicken Pfahl: ‚Ich kam hier an Land am 30. September 1659.‘“

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