Wertsicherung

Wer beim Festmacher spart, spart an der falschen Stelle. Welchen Tauen man vertrauen kann, hat Verena Diethelm recherchiert

Wertsicherung

Der verheerende Föhnsturm, der Ende Oktober am Attersee Millionenschäden verursachte, ließ Festmacher wie Zwirn zerreißen und brachte selbst Bojenketten zum Brechen. Doch es war nicht allein die schiere Naturgewalt dafür verantwortlich, dass sich Boote von ihren Liegeplätze losreißen konnten, sondern auch ungeeignetes Tauwerk und eine falsche Belegung der Boote.

Segler und Motorbootfahrer machen sich manchmal mehr Gedanken über die Farbe ihrer Pölster als über die Beschaffenheit der wichtigsten Verbindung zwischen Boot und Land. "Der Festmacher ist das einzige Seil am Schiff, das 24 Stunden durchgehend belastet wird, wenn man nicht gerade unterwegs ist", weist Sven Rosenberger, Geschäftsführer des deutschen Seilproduzenten Liros, auf die Bedeutung der Belegleinen hin.

Einer Bedeutung, der kaum Rechnung getragen wird. Viele Festmacher – sofern es sich überhaupt um solche und nicht um ausrangiertes Leinenmaterial handelt – sind überaltert oder unterdimensioniert. „Oft besteht kein Verhältnis zwischen dem Wert des Bootes und der Qualität des Festmachers. Man kauft nur nach dem Preis, nicht nach der Eignung. In den Manöverschluck wird mehr investiert“, konstatiert Rainer Wilhelm, Global Manager Yachting Ropes von Robline.

Ein guter Festmacher zeichnet sich durch hohe Bruchlast, Scheuerfestigkeit, UV-Beständigkeit und – ganz wichtig – hohe Dehnbarkeit aus. Je mehr Energie die Leine durch die Längenänderung aufnehmen kann, desto sanfter ruckt das Schiff ein und desto geringer ist die Belastung für die Beschläge sowie die Gefahr eines Seilbruchs.

Wie ein Reißtest der Yachtrevue (YR 6/2007) gezeigt hat, ist die Bruchlast von Marken-Festmachern in der Regel sehr großzügig ausgelegt. "Der Festmacher ist immer stärker als die Klampe", bezieht sich Rosenberger auf die bei Liros durchgeführten Tests.
Wenn also Festmacher brechen, dann hat das meist folgende Gründe: Entweder waren die Leinen zu dünn oder kurz, sprich unterdimensioniert, oder durch UV-Strahlung, Salzwasser und mechanischem Abrieb geschwächt, sprich überaltert.

Die oben angesprochene Dauerbelastung lässt Festmacher schneller altern als man denkt. Laut Wilhelm gilt folgende Faustformel: Festmacher büßen im ersten Jahr 20 Prozent, in jedem weiteren Jahr zehn Prozent ihrer Bruchlast ein. Nach drei Jahren haben die Festmacher also nur noch die Hälfte ihrer Bruchlast und sollten gegen neues Tauwerk ausgetauscht werden. Geschlagenes Tauwerk sollte sogar schon nach zwei Jahren ausrangiert werden. Rosenberger verortet die Lebensdauer je nach Liegeplatzsituation bei drei bis fünf Jahren.

Intensive Sonneneinstrahlung und hoher Salz- oder Sodagehalt im Wasser verkürzen die Lebensdauer zusätzlich. Im Süßwasser wirkt sich Moos negativ aus. Bojenleinen sollten daher jährlich gewechselt werden. Weist die Leine bereits Abriebstellen oder andere Verschleißerscheinungen auf, muss sie unabhängig von ihrem Alter umgehend ersetzt werden.
Der UYCAs ließ aus Anlass des Föhnsturms die verwendeten Festmacher bei Robline in Wels am hydraulischen Prüfstand untersuchen. Der Reißtest ergab, dass die Bruchlastwerte 70 Prozent unter den Sollwerten lagen. „Wir konnten die Festmacher mehr oder weniger mit der Hand zerreißen“, berichtet Gert Schmidleitner vom UYCAs.

Über Lebensdauer, Dehnungsverhalten, Handlichkeit, Abriebfestigkeit und Resistenz gegen Umwelteinflüsse entscheiden Konstruktion und Material des Festmachers.

KONSTRUKTION

Gedrehte (geschlagene) Seile sind die Klassiker unter den Yachtleinen. Sie bestehen meist aus drei rechtsherum gedrehten Kardeelen, die aus einer Vielzahl von linksgedrehten Garnen zusammengesetzt sind. Geschlagenes Tauwerk ist einfach herzustellen und deshalb preiswert.

Die gesamte Story inklusive einer Tabelle zum Thema Bojensteine finden Sie in der Yachtrevue 5/2019, am Kiosk ab 3. Mai!

Weitere Artikel aus diesem Ressort

Ressort News
PDF-Download

Allroundtalent

Warum der Code 0 mehr als zwei Jahrzehnte nach seiner Erfindung zum beliebten Segel für Fahrtensegler ...

Ressort News

Auf der Schulbank

Will man lernen, wie sich ein Boot schneller und sicherer bewegen lässt, helfen Außensicht und Input eines ...

Ressort News
PDF-Download

Wer suchet, der findet

1989 brachen die Seenomaden Doris Renoldner und Wolfgang Slanec zu ihrer ersten Weltumsegelung auf. Ein ...

Ressort News
PDF-Download

Polieren, aber richtig

Wer das Gelcoat seiner Yacht pflegt, trägt damit auch zu deren Werterhalt bei. Eine Anleitung für den ...

Ressort News

Neuer Chef bei Bavaria

Michael Müller ist neuer CEO der Bavaria Yachtbau Gruppe

Ressort News
PDF-Download

Mercury Außenborder

Der Weltmarkführer bringt neue V6- und V8-Außenborder von 175 bis 300 PS auf den Markt. Das Besondere: Es ...