Teuerungswelle

Kroatien: Die drastische Erhöhung der Aufenthaltsgebühr entrüstet die Eigner, Details zur Umsetzung sind noch offen

Teuerungswelle

Keine Frage, der Tourismus in Kroatien brummt wie ein gut geölter Borddiesel. Im vergangenen Jahr wurde erstmals die Marke von 100 Millionen Übernachtungen geknackt. Bei den österreichischen Touristen gab es ein Plus von fast acht Prozent, bei den heimischen Charter­kunden einen Zuwachs von 3,4 Prozent. Und auch für die gerade anlaufende Saison stehen
alle Zeichen auf Wachstum.

Die Kehrseite der Erfolgsgeschichte: Der Boom weckt Begehrlichkeiten. Vielerorts steigen die Preise für Liegeplätze, Bojen und nautische Dienstleistungen, und zwar kräftig. Am härtesten trifft es die Bootseigner, die mit Jahresbeginn eine um 500 bis 700 Prozent höhere Aufenthaltsgebühr zahlen müssen (die Yachtrevue berichtete im Oktober). Der Aufschrei der Bootsbesitzer, aber auch der Marinabetreiber war laut, es wurden Petitionen und Unterschriftenaktionen gestartet, die in Zagreb allerdings bislang auf taube Ohren stießen.

Das kroatische Tourismusministerium argumentiert, dass die Erhöhung der Aufenthaltspauschale aus Fairness gegenüber anderen Gästen notwendig gewesen wäre. Ein Argument, das schwer nachzuvollziehen ist, da Bootseigner in gewissen Bereichen schlechter gestellt sind als „normale“ Gäste. So gilt etwa für nautische Dienstleistungen nicht der reduzierte Mehrwertsteuertarif von 13 Prozent wie für andere touristische Dienstleistungen. Außerdem sind nautische Touristen die einzigen, bei denen die Kurtaxe das ganze Jahr über in gleicher Höhe, und nicht nach Saison bzw. Jahreszeit gestaffelt zu entrichten ist.

Nach der Anhebung der Aufenthaltspauschale ist dieses Ungleichgewicht noch größer. Ein Beispiel: Eine Familie mit zwei Kindern und einer Yacht zwischen 9 und 12 m Länge muss für die neue Jahrespauschale 5.800 Kuna (rund 780 Euro) einkalkulieren. Bei einer Nutzung des Bootes an vierzig Tagen sind damit pro Person umgerechnet 36 Kuna (ca. 4,8 Euro) täglich fällig – mehr als das 4,5-fache des Höchsttarifs für Hotel- oder Campinggäste. Nach der alten Pauschale wären es inkl. der Kinder knapp 7 Kuna (ca. ein Euro) je Person und Tag gewesen. Besitzer von Ferienimmobilien bezahlen unabhängig von der Größe ihrer Immobile überhaupt nur eine personenbezogene Aufenthalts-Jahrespauschale in Höhe von maximal 60 Kuna (rund acht Euro) für die ersten zwei gemeldeten erwachsenen Personen, für jede weitere Person jeweils den halben Betrag. Auch für Chartergäste fiel die Erhöhung der Kurtaxe moderat aus: Sie wurde von sieben auf acht Kuna pro Tag und Person angehoben.

In einer Stellungnahme äußerte der Marinaverband die Befürchtung, dass sich die Erhöhung negativ auf das Geschäft auswirken werde: „Während benachbarte konkurrierende Länder die Marinakosten durch Senkung des Mehrwertsteuersatzes und andere Maßnahmen reduzieren, erhöht Kroatien die Kurtaxe, wodurch die Wettbewerbsfähigkeit der kroatischen Marinas weiter eingeschränkt wird.“ Vor allem in Hinblick auf die Bemühungen des Tourismusministeriums, Kroatien als Ganzjahresdestination zu etablieren, wäre die Preiserhöhung schädlich, schließlich erziele man mit dem nautischen Tourismus in der Vor- und Nachsaison die höchsten Einnahmen.

Widerstand

Viele Yachteigner haben auf die Erhöhung der Pauschale reagiert. Manche verlegten ihren Liegeplatz nach Italien oder in andere Destinationen, andere planen die Mehrkosten einzudämmen, indem sie weniger Zeit in Kroatien verbringen und nur für die tatsächlich verbrachten Wochen bezahlen. Viele nutzten auch die Möglichkeit 2017 noch die Pauschale für 2018 und teilweise darüber hinaus zum alten Tarif zu bezahlen. Allerdings wurde das von Hafenamt zu Hafenamt unterschiedlich gehandhabt.

Eine weitere Möglichkeit stellt Kroatien-Insider Karl-Heinz Beständig, Autor des bekannten Hafenführers „888 Häfen und Buchten“, in den Raum: ziviler Ungehorsam.

Den gesamten Bericht über DEN Aufreger in Kroatien lesen Sie in der Yachtrevue 4/2018, am Kiosk ab 30. März! Er ist Teil eines ausführlichen Kroatien Spezials.

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