
Foto: Oö. Landesfischereiverband / Clemens Ratschan
©Clemens RatschanUnspektakulär im Auftritt, sensibel im Lebensraum: Der Schlammpeitzger ist „Fisch des Jahres 2026“. Die heurige Wahl rückt jene Gewässer in den Fokus, die vielerorts verschwunden sind – schlammige Altarme, Tümpel und Auenreste, die heute unter Druck stehen.
Mit dem Titel „Fisch des Jahres“ wollen Österreichischer Fischereiverband, Landesorganisationen und Fachstellen nicht nur eine Art vor den Vorhang holen, sondern vor allem ihren Lebensraum. Denn die Bedrohung kommt selten mit Ansage – sie passiert leise, wenn Auen entwässert, Altarme abgeschnitten und Gräben begradigt werden. 2026 steht dafür ein Spezialist des Verborgenen: der Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis).
Der nachtaktive Fisch liebt genau jene Reviere, die in Mitteleuropa zur Mangelware geworden sind: stehende bis langsam fließende Gewässer mit Schlammgrund, verlandende Altwässer, Grabensysteme, abgeschnittene Mäander. Wo Wasserpflanzen (Makrophyten) wachsen, fühlt er sich besonders wohl; in vegetationsarmen Bereichen nutzt er auch Totholzansammlungen als Rückzugsort. Früher war der Schlammpeitzger – mit Ausnahme einiger Bundesländer – in weiten Teilen Österreichs verbreitet. Heute gilt er als stark zurückgedrängt, der Erhaltungszustand wird seit Jahren als ungünstig bis schlecht eingeschätzt, die Trendpfeile zeigen nach unten.
Ein Lichtblick sind regionale Schwerpunkte: Ostösterreich spielt eine Schlüsselrolle, mit bedeutenden Beständen in den Augewässern an March und Unterer Thaya. Biologisch ist der Schlammpeitzger ein Überlebenskünstler: bis zu 30 Zentimeter lang, mit beinahe rundem Körper, charakteristischen Bartfäden am Maul – und bemerkenswert langlebig. Über 20 Jahre kann er alt werden. Laichzeit ist April bis Juli, dann werden mehrere tausend klebrige Eier an Wasserpflanzen abgelegt.
Die Wahl zum Fisch des Jahres ist damit weniger Auszeichnung als Auftrag: Ohne rasche Maßnahmen zur Sicherung und Wiederherstellung von Auen- und Stillwasserhabitaten wird es für diese Art eng – und mit ihr für ein ganzes Stück lebendiger Gewässerlandschaft.
Die Kandidaten samt Abstimmungsergebnis (gerundet) für 2026 im Überblick:
Schlammpeitzger (47%)
Koppe (17%)
Rotauge (11%)
Elritze (8,1%)
Hundsfisch (8%)
Streber (5%)
Hasel (3,8%)

