
Slowenischen Werften gelingt es immer wieder, sich ins Rampenlicht zu spielen. Das von Itztok Pockaj gegründete Unternehmen Alfastreet Marine ist da keine Ausnahme, wobei sein Erfolg vorrangig auf der Eigenständigkeit der Designs sowie der Tatsache, dass jedes Modell als Verdränger oder Gleiter erhältlich ist, basiert; die Boote sehen ident aus und unterscheiden sich nur durch das Unterwasserschiff. Das mit einem 15-kW-Motor ausgestattete Testboot hatte etwa einen für diesen Einsatzbereich optimierten Verdrängerrumpf mit Kielfinne ohne Gleitstringer. Entscheidet man sich hingegen für einen 100 oder 150 kW starken E-Motor oder gar ein leistungsstarkes Verbrennungsaggregat, wird es mit Gleitrumpf inklusive tiefem V versehen. Das unbestritten wichtigste Feature der Alfastreet-Boote ist aber das geniale Hubdach. Es spendet nämlich nicht nur Schatten, sondern dient auch als perfekter Ersatz für die allseits ungeliebte Persenning. Viele Eigner scheuen das mühselige, lästige Ab- und Zudecken des Boots, deshalb hakte Pockaj an diesem Punkt ein und erfand bereits für sein allererstes 18-Fuß-Modell das oben genannte universelle Dach mit elektrohydraulischer Hebeanlage, das über ein speziell für diesen Zweck entwickeltes Seilzugsystem verfügt. Es kam bei der Kundschaft bestens an, ist mittlerweile patentiert und funktioniert, wiewohl sehr komplex, klaglos. „Wenn ich nach einen entspannten Tag am See abends das Boot mit der Persenning zudecken muss, ist die Erholung wieder futsch,“ zitiert Händler Franz Mittendorfer einen genervten Kunden, der daraus die Konsequenzen zog, sein Boot verkaufte und statt dessen ein Alfastreet erwarb.
Österreichbezug
Franz Mittendorfer, Chef von Boote Mittendorfer in Schörfling am Attersee, fungiert seit der Gründung der slowenischen Werft als Importeur für Österreich sowie Bayern und ist Itztok Pockaj freundschaftlich verbunden. Bislang hat die Werft knapp über 120 Einheiten verkauft, 65 davon gingen auf das Konto des Oberösterreichers. Die Zusammenarbeit geht darüber aber weit hinaus, denn Mittendorfer bringt sich mit seiner Erfahrung auch in die Optimierung der Yachten ein. So ließ er bei der Alfastreet 28, dessen Baunummer 1 wir am Attersee testeten, die Sitzbänke im Cockpit mit einem aufklappbaren Kopfteil versehen, wodurch diese zu einer superbequemen Sonnenliege mutieren. Dasselbe System spendierte man auch der doppelten Sonnenliege achtern.
Größtmögliche Flexibilität garantiert Mittendorfer bei der Motorisierung. Bei Elektrobooten, die im Salzkammergut ausgeliefert werden, installiert er in der Regel einen Aquamot-Motor. Kommt das Boot in den Westen oder Süden Österreichs, werden nach Absprache mit dem Eigner und unter Berücksichtigung der besten Servicesituation vor Ort auch Produkte anderer Hersteller in Betracht gezogen. Zusätzlich kann das Boot mit Verbrennungs- oder Hybridmotoren ausgestattet werden.
Erholung pur
Die Alfastreet Energy 28 lag im Motor-Yacht-Club-Salzkammergut zum Auslaufen bereit. Das Hubdach, das drei Viertel des Boots bedeckte, hob sich leise surrend und gab den Blick aufs Cockpit frei. Das Alfastreet sieht wie ein moderner Cruiser aus: hohe Seitendecks, gerundetes Vorschiff, akzentuiert in den Rumpf eingelassene Luken, riesige Liegewiese achtern und opulente Badeplattform, die gegen satten Aufpreis sogar noch tiefer abgesenkt werden könnte.
In das Cockpit gelangt man über zwei Durchgänge beidseits der Sonnenliege, wobei diese mittels kleiner Klapptüren verschlossen werden können. Ein sinnvolles Feature, wenn man kleine Kinder hat, andernfalls wird man die Türen wohl offen lassen. In keinem Fall stören die formschönen Niro-Plexiglastüren, da sie bündig in die seitlichen Wände des Motorraumes eingelassen sind.
