Segeltrainings für Frauen

Frauen profitieren beim Segeltraining von einer Lernumgebung unter ihresgleichen. Warum das so ist, hat Verena Diethelm recherchiert. Plus: Kurs-Angebote für Frauen

Segeltrainings für Frauen

Viele Frauen treten an der Seite ihres Partners in die Welt des Segelns ein. So war es auch bei Julia Denkmayr, die vor fünf Jahren bei einem Urlaubstörn mit ihrem damaligen Lebensgefährten vom Segelvirus gepackt wurde. Die Beziehung ging wenig später in die Brüche, die Begeisterung fürs Segeln blieb. Um das neue Hobby voranzutreiben, buchte die gebürtige Salzburgerin einen Kojencharter-Törn. „Ich wollte was lernen und Dinge selber machen, aber das Umfeld hat einfach nicht gepasst“, erklärt Denkmayr, die es als studierte Technikern gewohnt ist, sich in einer überwiegend von Männern besetzten Domäne zurechtzufinden. "Ich bin eigentlich alles andere als schüchtern, trotzdem habe ich mich in dieser bunt zusammengewürfelten Runde nicht getraut zu sagen, jetzt will ich auch mal ans Steuer", berichtet Denkmayr von ihren Erfahrungen mit gemischter Crew.

Deshalb suchte sie danach gezielt nach Angeboten nur für Frauen. Das richtige Umfeld um sich zu trauen, fand die Mittvierzigerin schließlich bei einem Törn der Seefrauen, einem 2017 von Veronika Steger gegründetem Unternehmen, das Skippertrainings nur für Frauen, aber auch Törns mit Yoga und für Unternehmerinnen veranstaltet. Die 36-jährige Tirolerin kann nicht nur auf eigene Erfahrungen in verschiedenen Ausbildungssituationen, sondern auch auf mehr als 28.0000 Seemeilen in allen nur möglichen Konstellationen – solo, double-handed, in Mixed- und Frauen-Crews – verweisen.
"Die Verteilung der Rollen an Bord muss nicht immer so sein, dass der Mann am Steuer steht und die Frau die Boje einfädelt. Viele Frauen wollen nicht nur Hilfsarbeiten übernehmen, sondern Verantwortung – auch in Situationen, die brenzlig sind oder in denen man Kraft braucht", macht sich Steger, die acht Monate auf einer Segelyacht gelebt hat und damit von Kroatien in die Karibik und wieder zurück gesegelt ist, für Gleichberechtigung stark. Frauen sind genauso gut im Segeln wie Männer, ist Steger überzeugt, gehen aber an manche Dinge anders heran.

Diese andere Herangehensweise hat auch Astrid Zauner, die sich in Andreas Hanakamps Unternehmen Segelwelt.at um Big-Boat- und Frauen-Trainings kümmert, beobachtet: "Frauen und Männer agieren an Bord tatsächlich oft sehr unterschiedlich. Frauen wollen Zusammenhänge und Manöver verstehen, sie hinterfragen mehr als Männer. Viele überlegen lieber zweimal, um Fehler zu vermeiden. Das lässt sie – oft fälschlicherweise – unsicher erscheinen."

Sowohl Trainerinnen als auch Teilnehmerinnen sind sich einig, dass Frauen in gemischten Gruppen generell zurückhaltender sind und mehr Ermutigung benötigen. "Eine Frau traut sich erst etwas zu üben, wenn sie es schon kann", hat Hildegard Etz, die als Segellehrerin zig Männern und Frauen das Segeln näher gebracht hat und seit 2015 als Sailswoman Trainings nur für Seglerinnen anbietet, bemerkt. Die Sorge sich zu blamieren würde dazu führen, dass sich Frauen zu sehr im Hintergrund halten und dabei bei die Ausbildung zu kurz kommt. "Es gab Teilnehmerinnen, die sind beim Übungstörn genau eine Wende gefahren", beklagt Etz.

Sind Frauen unter sich fühlen sie sich meist sicherer. Sie ermutigen sich gegenseitig, wodurch das Selbstbewusstsein wächst und Ängste abgebaut werden. Auch die Hemmschwelle, eine Frage zu stellen, ist in einer rein weiblichen Gruppe geringer. "Es war nie ein Problem zu fragen, was ist jetzt noch mal der Unterschied zwischen vorm Wind und am Wind. Auch wenn wir das schon öfters durchgekaut haben", bestätigt Denkmayr. Und das ohne Seufzen, Augenrollen, Lachen oder Unterbrechen durch die anderen Teilnehmer.

Die Dinge selbst in die Hand nehmen und dadurch die Zusammenhänge besser verstehen, das wollte auch Daniela Christian, die das Segeln als Kind in Griechenland kennenlernte und später mit ihrem Mann Urlaube auf dem Motor- und Segelboot verbrachte. "Mein Mann und ich sind ein eingespieltes Team. Wir kennen die Situation vor Ort und haben eine bestimmte Routine", erzählt die 47-Jährige. Das Frauen-Training sei für sie eine komplett neue Lernsituation gewesen. “Es hat einen großen Unterschied gemacht, eine weibliche Skipperin und Trainerin zu haben. Da ist die Ermutigung und Motivation schon mal eine ganz andere”, sagt Daniela Christian, die von ihrem Mann in ihrem Vorhaben sehr unterstützt wurde und im Training lernte, Aufgaben zu übernehmen, für die sonst er verantwortlich war.

Kavaliersdelikt

Während Männer dazu tendieren, aus jeder Aufgabenstellung einen Wettbewerb zu machen, und auch die Gespräche am Abend gerne um die eigenen Heldentaten kreisen, fühlen sich Frauen durch den Ehrgeiz ihrer Mitsegler und ihre permanente Rivalität unter Druck gesetzt. Ein kompetitives Umfeld spornt sie nicht an, sondern wirkt abschreckend und demotivierend. "Viele Frauen wollen es sich einfach nicht antun, sich mit dominanten Männern an Bord auseinanderzusetzen und sehr viel in Kauf zu nehmen – nur um dabei zu sein. Sie nehmen sich zurück und kommen dadurch weniger zum Üben", weiß Astrid Zauner.

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