Brioni

Brioni. Eine Insel für den Luxus des leichten Lebens. Vorübergehend für alle da. Von Werner Meisinger

Die Natur ist nicht freundlich. Sie sinnt darauf, den Menschen zu verderben, und das mit Hinterlist. Verlockend prachtvolle Orchideen blühen an Bäumen, auf denen auch die Mamba wohnt. An den angenehmsten Stränden lauern Steinfisch und Petermännchen mit bösen Stacheln. Den hübschesten Fröschen der Tropendschungel kommt man besser nicht zu nah. Und: Auf manches, das daliegt wie eine Insel aus dem Paradies, steigt der Mensch besser nicht ohne vorheriges Bad in Diethylmethylbenzamid. Das nämlich schützt vor Fiebermücken, die genau so verheerend sind wie Giftfrosch, -fisch und -schlange, nur unauffälliger in der Begegnung mit dem Menschen.
Eine solche Naturerscheinung von verlockender, aber über den größten Teil ihrer Geschichte gefährlicher Pracht soll hier beschrieben werden. Eine Gruppe hübscher Inseln, die sich aus einem außergewöhnlich blauen Meer erhebt. Angenehm waren diese Inseln bis vor hundert Jahren meistens nicht und deshalb auch kein bevorzugtes Thema von Poeten und Chronisten. Vor ein wenig mehr als hundert Jahren allerdings adorierten sie eine Person von außerordentlicher Tatkraft: Paul Kupelwieser. Dem stand – er war schon ein wenig in den Jahren und seelisch unerfüllt von seinen bisherigen Geschäften – der Sinn nach der Erschaffung von etwas Schönem. Womit die Inseln ins Licht der gesellschaftlichen Beachtung gehoben wurden.
Kupelwieser war kein Träumer. Er war ein Mann von naturwissenschaftlicher Expertise und rationalen Handlungen. Über Jahrzehnte hatte er bedeutende Positionen in der Bergbau- und Eisenindustrie bekleidet. Nun zog es ihn – mag sein, dass er geläutert oder sentimental geworden war – weg vom kriegerischen Eisen und hin zur friedvollen Natur.
Im Drang zum Schönen sah sich dieser Mann 1893 nach dem Paradies in einer Welt um, die schon ziemlich groß, doch immer noch mühselig zu bereisen war. Wo lagen denn in dieser Zeit die Paradiese für finanziell gut ausgestattete Bürger und solche von erhabenem Geblüt und mit wachem Interesse an gepflegter Unterhaltung? In Nizza, Monte Carlo oder Capri. Zwei oder mehr Tagesreisen von den Metropolen des Kaiserreichs entfernt. Paul Kupelwieser suchte nach einem näheren Ort mit Paradiespotenzial. Vor der Küste Istriens, zwischen dem großen Kriegs- und Handelshafen Pula sowie dem pittoresken Rovinj fiel es ihm in die Hände: Brioni. Ein Mini-Archipel keine vier Stunden mit dem Express-Boot von Triest und nicht mehr als eine straffe Tagesreise von Wien entfernt.
Kupelwieser kaufte die Inseln ziemlich unbesehen.
Bei sorgfältiger Begutachtung hätte er es wahrscheinlich lassen.

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