Mallorca

Am Boulevard der Calas. Buchten statt Ballermann

Cala sa Calobra

„Ach, was muss man oft vom bösen Mallorca hören!“ So hätte sich Wilhelm Busch wohl über die Baleareninsel entrüstet, hätte es zu seiner Zeit schon jene Elaborate der Boulevardpresse gegeben, die heute von Badeschaum-Orgien und Ballermännern überquellen. Wo immer diese auch ihr Unwesen treiben mögen, in Palmas Altstadt, die nur wenige hundert Meter hinter der Marina Alboran, wo wir unser Schiff übernommen haben, beginnt, ist davon nichts zu merken. Von der wuchtigen Bastió de Sant Pere ist es noch ein gutes Stück zu Fuß zur Kathedrale „La Seu“. Für diesen, von Gaudí behutsam ins 20. Jahrhundert geführten Traum der Gotik, habe ich mir die beste Zeit reserviert: Die Stunden nach der Siesta. Jetzt beginnen sich die Gassen der Altstadt wieder zu füllen und es wird schwierig, in den Cafés einen Tisch zu bekommen, um bei einem „Carajillo“ zu entscheiden, ob man den Abend mit einem Blick auf das nächtliche Palma vom Castell de Bellver aus oder in einem Restaurant in der Altstadt beschließen soll. Ich mache das Beste daraus: Zuerst hoch zum Kastell, dann rein in das pralle Leben der Altstadt.

Adel und Geldadel
Tags darauf kann ich mich, ausgestreckt auf dem Vorschiff, von den abendlichen Märschen erholen und mir – inmitten all des Friedens, der uns umgibt – von der mediterranen Sonne die heimatliche Kälte aus den Knochen holen zu lassen. „Überlaufen ist das Revier“, meckern viele. Wir merken nicht viel davon. Zwar drängen sich in den vielen Buchten mehr Ankerlieger als sonst, doch die meisten sind Badegäste, die das sonntägliche „Kaiserwetter“ auskosten wollen. Da wir gerade Sa Foradada passieren, erinnert mich diese Bezeichnung an Erzherzog Ludwig Salvator, einen bunten Vogel aus der toskanischen Habsburger-Linie, der sich, oberhalb dieser ins Meer vorspringenden Felsnase, die Villa Son Marroig bauen ließ. Nicht weit davon erstand er für seine Geliebte – die Tochter eines mallorquinischen Schreiners (was für eine Mesaliance! Was für ein Skandal!) - das Anwesen S’Estaca, in dem sich heute der neue Besitzer Michael Douglas vom Hollywood-Stress zu erholen pflegt.

Den kompletten Artikel finden Sie in Ausgabe 3/2012.

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