Suwarrow-Atoll

Südsee. Die Seenomaden auf Tom Neales Spuren. Doris Renoldner und Wolf Slanec verwirklichten einen lang gehegten Traum und besuchten das Suwarrow-Atoll in den Cookinseln

Abgelegene Inseln versprechen vollkommene Muße und Glückseligkeit. Einsame Strände, blauer Horizont, sanfter Passat, der in den Palmen raschelt. Ein paar Bücher vielleicht, frischer Fisch, Kokosnüsse, dazu eine Unerreichbarkeit, in die nur Treibgut dringt – und schon desertieren wir in den Archipel der Zeitlosigkeit. In unserer Phantasie zumindest.
Vor einem halben Jahrhundert setzte der Neuseeländer Tom Neale seinen Traum in die Realität um und ließ sich auf dem unbewohnten Suwarrow-Atoll in den Cook Islands aussetzen. Seine Erzählung „An Island to Oneself“ avancierte in den 1960er Jahren zum Südsee-Klassiker, weil sie genau den Sehnsuchtsnerv unserer zivilisationsmüden Gesellschaft traf. Fahrtensegler der ersten Generation wie Rollo Gebhard oder Bernard Moitessier besuchten Tom Neale auf seiner Insel. Heute ist dieses karge Atoll Wallfahrtsort für „Robinsonsöhne“. Pro Jahr legen hier gut hundert Fahrtenyachten einen Stopp ein, der die ca. 1.200 Seemeilen lange Strecke zwischen Bora Bora und Samoa in zwei „handliche“ Etappen teilt.
Ende der 1980er Jahre, zu Beginn unserer ersten Weltumseglung, las ich Tom Neales Buch „Meine Trauminsel“ fasziniert und borgte es danach einem deutschen Segler, der es leider nie zurückgab. Irgendwann beschlossen wir, das Buch nochmals zu kaufen, doch es war mittlerweile vergriffen. Im September 1995 steckten wir von Mopelia aus den Kurs auf das Suwarrow-Atoll ab. Kräftiger, achterlicher Passat ließ unsere kleine Susi Q damals elendig im Seegang rollen. So wechselten wir auf bequemeren Raumschotkurs, strichen Suwarrow aus unseren Träumen und steuerten stattdessen Aitutaki an.
Kurz vor dem Start zu unserer zweiten Reise mit Nomad fiel uns die lang ersehnte Neuauflage der „Südsee-Trauminsel“ im Keller von Freytag & Berndt in die Hände. Wir sahen dies als Omen, holten nun endlich nach, was wir in den Neunzigern ausgelassen hatten und blieben zwei Wochen auf Suwarrow.

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