Westliches Mittelmeer

Zeit zum Pläneschmieden und Gustieren: Das Charterangebot im westlichen Mittelmeer ist umfangreicher denn je. Roland Duller hat sich für Sie schlau gemacht und gibt Entscheidungshilfen

Das westliche Mittelmeer ist landschaftlich abwechslungsreich und seglerisch anspruchsvoll. Das fand auch Bernard Moitessier, der in Anspielung auf den berühmten Satz Kap Hoorn umrunden und dann sterben folgenden, treffenden Ausspruch tat: „Erst den Mistral erleben, dann Kap Hoorn umrunden, und dann als stolzer Seemann weiterleben.“ Segeln im Wirkungsbereich des Mistrals bedeutet Herausforderung, doch zum Glück bläst er nicht im gesamten westlichen Mittelmeer aus vollen Rohren, sodaß es auch genügend lohnende Törnziele für Segler, die es sanfter lieben, gibt.
Urlaubsplanung hat etwas Puzzleartiges an sich, und wie ein Puzzle fügt sich auch vorliegendes Charter Spezial zusammen. Den Mund wässrig machen sollen fünf kurze Reviertips, sorgfältig ausgewählt von Menschen, die bereits in den schönsten Revieren der Welt gesegelt sind wie Andrea Hoorn und Wyn Hoop, den Weltumseglern Doris Renoldner und Wolfgang Slanec sowie dem Weltenbummler Dieter Assmann (Erinnern Sie sich? Assmann fotografierte das Oben-ohne-Girl, das 1992 den vieldiskutierten Juli-Cover zierte.) …

Tip: Isla Colom
Flamingos und Fischadler: Am Rande der Balearen entdeckte Dieter Assmann im Nordosten Menorcas ein reizvolles Minirevier
Geheimtips im westlichen Mittelmeer, und noch dazu im Sommer? Mitnichten, man kann sicher sein, daß in jeder dieser Buchten zumindest ein paar Yachten ankern. Trotzdem lohnt sich in den meisten Fällen der Besuch, so wie auch bei jenen grandiosen Platzerln rund um die Isla Colom an der Nordostküste Menorcas, die trotz ihrer Nähe zur Hauptstadt Mahon gar nicht einmal so überlaufen sind, wie man annehmen würde.
Die beiden Ankerplätze Los Llanes und El Grao im Westen bzw. Südwesten der Insel Colom bilden eine gewaltige Doppelbucht, die sich in Nord-Südrichtung über einen Kilometer erstreckt. Colom wird von Menorca durch eine goldgelbe, sandige Landzunge sowie eine schmale und mit ca. 50 cm Wassertiefe extrem seichte Passage getrennt. Um vom Nordteil in den Süden zu gelangen, müssen Yachten außen um Colom herumfahren …

Tip: Pelagische Inseln
Trittbretter Afrikas: Lampedusa, Linosa und Lampione sind einen Umweg wert, meint Doris Renoldner
Zwischen Europa und Afrika befinden sich südlich von Sizilien die Pelagischen Inseln, bestehend aus Lampedusa, Linosa und Lampione. Ihrer isolierten Lage sowie den großen Distanzen zu den nächstgelegenen Häfen ist es zu verdanken, daß sie nur selten von Yachten besucht werden. Sie fungieren vor allem als „Trittsteine“ zwischen Tunesien, Malta und Sizilien.
Von Tunesien kommend dient die winzige Felseninsel Lampione als gute Ansteuerungsmarke des Archipels. Seit der letzte Leuchtturmwärter die Insel verlassen hat, ist sie unbewohnt; der kleine Landeplatz wird heute nur noch bei ruhigem Wetter von Tauchbooten benützt.
Wie ein Tafelberg erhebt sich das Sandsteinplateau von Lampedusa aus dem glasklaren Meer. Die bizarre Steilküste wird nur selten von Grotten und türkisen Buchten mit schneeweißen Sandstränden unterbrochen. Lampedusa ist mit einer Länge von 6 sm die größte Insel des Archipels und besitzt mit Porto Lampedusa auch den einzigen sicheren Hafen …

Tip: La Maddalena
Im Aquarium dem Herrgott auf der Hand sitzen: Sardischer Granit und kristallklares Wasser vor der Costa Smeralda. Von Andrea Horn
Die Maddalena-Inselgruppe ist eine kleine Welt für sich. Sie schmiegt sich an den Nordosten Sardiniens und ist gleichzeitig nur wenige Seemeilen von der Südküste Korsikas und damit Bonifacio entfernt. Wer an der Costa Smeralda oder vor Korsika kreuzt, sollte nicht achtlos an den sonnengebackenen Felsinseln vorbeisegeln, sondern ein, zwei Tage opfern und sich auf kleine Törnabschnitte einstellen. Auf Maddalena findet man einige außergewöhnliche Ankerplätze.
Vor allem die kleinen Inseln des Archipels, Spargi im Südwesten und das Dreiergespann Razzoli, Budelli und Santa Maria im Nordwesten, sind wahre Juwelen aus rötlich angehauchtem Granit, kaum bewohnt und zum Teil als Naturschutzgebiet ausgewiesen …

Tip: Elba
Familienfreundlich: Italienischer Charme zwischen Ligurischem und Tyrrhenischem Meer. Von Doris Renoldner
Vielleicht ist Elba die letzte Chance, Ihre Familie zu einem gemeinsamen Segelurlaub zu überreden! Bequeme Anreise, leichte Winde im Sommerhalbjahr, kurze Tagesetappen von maximal zwei Stunden, einladende Buchten, weiße Sandstrände, lebhafte Häfen, vorzügliche toskanische Küche und italienisches Flair versprechen familienfreundliche Tage – weit entfernt von meilenfressenden, harten Segeltörns.
Nur fünf Seemeilen vor der Westküste Italiens gelegen und ca. 25 sm von Korsika entfernt, bildet Elba die Grenze zwischen Ligurischem und Tyrrhenischem Meer. Mit einer Länge von ca. 15 sm ist sie die größte Insel des toskanischen Archipels, und man könnte theoretisch mit einem Segelboot an nur einem Tag rundherumschippern – aber wer will das schon?
Die Landschaft ist gebirgig, die über 1.000 m hohen Berge fast zur Gänze mit Macchia bedeckt – als Antwort der Natur auf den Raubbau an den Wäldern. Alte, nostalgisch vor sich hinrostende Förderanlagen und Kräne erinnern an den großen Eisen- und Mineralienreichtum, den schon die Etrusker zu schätzen wußten …

Tip: Korsika
Bergwärts: Wer einen der korsischen Häfen anläuft, sollte einen Blick ins Landesinnere werfen, meint Andrea Horn
Korsika, das Gebirge im Meer, mit einer sanfteren Seite im Osten und einer wilderen im Westen, präsentiert sich vielseitig. Den Segler interessieren in erster Linie die Golfe mit ihren geschützten Buchten und den Ankerplätzen vor hellen Sandstränden, und nicht zuletzt die Fischer- und Yachthäfen. Damit sieht er allerdings weder verschneite Gipfel, dunkelblaue Bergseen oder Korkeichenwälder aus der Nähe: Erst der Ausflug ins Inselinnere macht den Segeltörn perfekt.
Corte, die ehemalige Hauptstadt, muß man gesehen haben. Am schnellsten erreicht man sie im Mietauto von Ajaccio oder Bastia aus, wo man auch das Boot beruhigt liegen lassen kann. Wer es folkloristisch liebt und Zeit mitbringt, setzt sich in die Eisenbahn, die gewöhnlich mit Verspätung über die Insel schnauft und manchmal anhalten muß, weil sich ein paar Schafe oder Schweine auf den Schienen niedergelassen haben. Corte ist gleichsam das Herz der Insel und Ausgangspunkt für viele schöne Wanderungen. Wie ein Adlerhorst thront die Zitadelle auf einem senkrecht abstürzenden Felsen hoch über dem Tavignanofluß, der sich hier mit der Restonica vereint …

Kleines Windlexikon
Die wichtigsten Winde im westlichen Mittelmeer: Woher, wann und wie stark sie wehen, und woran man sie rechtzeitig erkennt
Ewig strahlend blauer Himmel, flimmernde Hitze, dazu eine sanftkühlende Brise, solche Bedingungen wünscht man sich für den Urlaubstörn. Rein statistisch gesehen, ist die Chance auf derartige Bedingungen im westlichen Mittelmeer recht gut, denn die Sturmhäufigkeit ist im Sommer gering. Nur in einigen Gebieten wie dem Golf du Lion, der zu den sturmreichsten Regionen der Erde zählt, oder im Bereich der Straße von Gibraltar, muß man immer auf Starkwind und Sturm gefaßt sein.
Der bekannteste und wohl auch gefährlichste Wind des Mittelmeers ist der Mistral. Er kommt aus dem Norden durch das Rhonetal, welches wie eine gewaltige Düse wirkt. Der Mistral peitscht oft mit Böen bis 180 km/h über den Golf du Lion und reicht weit bis ins Mittelmeer, wobei besonders die Westküste Korsikas, die berüchtigte Straße von Bonifacio und die östlichen Balearen betroffen sind.
Die klassische Ausgangslage für Mistral besteht aus einem Hoch über dem Ostatlantik (Biskaya) und einem Tief, das von der Ostsee nach Rußland zieht. Wenn eine Kaltluftströmung von Norden die Alpen überquert, setzt unmittelbar danach der Mistral ein.
Unangenehm ist die Tatsache, daß bevorstehender Mistral am Barometer kaum erkennbar ist. Trotzdem gibt es einige brauchbare Vorzeichen: Der Luftdruck steigt leicht an, der Wind dreht auf Nord, die Sicht wird schlagartig gut, die Bewölkung löst sich auf, und schließlich legt der Wind ohne weitere Vorwarnung in wenigen Minuten bis auf Sturmstärke zu …

Regattacharter
Die tollsten Events zwischen Côte und Costa
Nur herumsegeln und mit der Seele baumeln ist Ihnen zu langweilig? Ein bißchen Nervenkitzel und Regattastreß sollte schon dabei sein? Wir haben ein paar Vorschläge parat, wo Ihnen bestimmt nicht fad wird. Zwar ist das Angebot an Regatten im westlichen Mittelmeer, die auch mit „Normalyachten“ bestritten werden können, nicht so üppig wie beispielsweise in der Adria, aber dafür um ein Haucherl elitärer; bestes Beispiel ist der Rolex Swan World Cup in Porto Cervo.
Wer es etwas gemütlicher angehen möchte, für den bietet sich die von der Messe Interboot und der deutschen Charterfirma KH+P veranstaltete Yachtwoche Mittelmeer an, die eine Mischung aus Flotillen-Törn und Fahrtenseglerregatta ist, seit 1993 durchgeführt wird und rund 20 Yachten am Start sieht. Gesegelt wird ohne Spi zum Abschluß der Saison in der 3. Oktoberwoche (genauer Termin steht noch nicht fest) ausschließlich auf Charterschiffen von KH+P. Heuer wird es wahrscheinlich zwei Mittelmeerwochen geben, und zwar eine ab Elba im toskanischen Archipel, die andere an der Costa Smeralda in Nordostsardinien (Porto Rotondo). Wer keine Crew zusammenbringt, kann hier auch als Einzelbucher mitmachen …

Den kompletten Artikel finden Sie in Ausgabe 12/99.
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