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 © LAURENT MASUREL/WORLD SURF LEAGUE

Grenzgang. „Geboren, um (Neues) zu wagen“ – das Motto von Partner Tudor passt perfekt zu Nic von Rupp und Clement Roseyro (im Bild)

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Portugal. Nazaré ist das Epizentrum der internationalen Big-Wave-Surfszene. Roland Regnemer war vor Ort, tastete sich mit zwei der aktuell besten Surfer selbst an die eine oder andere Welle heran und gibt einen Überblick über die Möglichkeiten, die sich in Österreich bieten

Wir alle wollen diese Wellen surfen, aber wir stürzen uns nicht blindlings in den Tod“, stellt Nic von Rupp klar, während wir vom Leuchtturm von Nazaré auf den Atlantik blicken. Der 34-Jährige mit deutsch-schweizerischen Wurzeln, der in den USA und Portugal aufwuchs, zählt aktuell zu den besten Big-Wave-Surfern der Welt. Gemeinsam mit seinem jungen französischen Partner Clement Roseyro gewann er Mitte Februar die Tudor Big Wave Challenge. Das Event in Portugal ist das unumstrittene Highlight der überschau­baren Szene jener Surferinnen und Surfer, die sich in die größten Wellen des Planeten wagen. Neun Teams durften sich heuer der Herausforderung stellen – ja, durften, denn nur, wer sich international in großen Wellen bewiesen hat, wird zu dem Bewerb überhaupt eingeladen. Dabei verpflichten sich die Teilnehmer, im Zeitraum von November bis Anfang März innerhalb von 72 Stunden in die kleine Küstenstadt Nazaré, rund eine Autostunde nördlich von Lissabon, zu kommen. Der Countdown wird ausgelöst, wenn die weltweiten Wetterdaten eine entsprechende Wellenbildung erwarten lassen. Wir reden dann von Brechern bis 30 Meter Höhe, die dank eines über 200 km langen und 5 km tiefen Wassergrabens direkt auf den oben genannten Leuchtturm zulaufen. „Die Natur hat hier ein einzigartiges Setting geschaffen“, erklärt von Rupp und zeigt auf ein Modell der Region, das im Museum des Leuchtturms ausgestellt ist. Und ergänzt dann: „Vor zwanzig Jahren galten diese Wellen noch als unsurfbar.“

Die Elite des Big-Wave-Surfens hielt sich zu jener Zeit vor allem in Hawaii auf, Nazaré wurde als unbezwingbar abgestempelt und verschwand eine Zeitlang von der Bildfläche. Einige Jahre später ließen zahlreiche Unfälle mit teils tödlichem Ausgang einerseits einen Ruck durch die Szene gehen, andererseits war klar: Nazaré funktioniert. Gemeinsam wurde an Sicherheitsmaßnahmen und technischen Hilfsmitteln gearbeitet. Ergebnis waren unter anderem verpflichtende Rettungswesten mit wassertauglichen Airbags, die im Falle eines unfreiwilligen Abgangs den Surfer zurück an die Oberfläche bringen. Darüber hinaus absolvieren alle Surfer ein spezielles Apnoe-Training, und jedes Team hat eigene Rettungsfahrer mit 300 PS starken Jetskis, die im Falle eines Sturzes den Surfer so schnell wie möglich aus der Gefahrenzone bringen. Nicht zuletzt stehen auf den Felsen mehrere Spotter, die per Funk eine Einschätzung der herannahenden Wellen an die Teams durchgeben. Letztendlich liegt die Entscheidung, ob man in die Welle geht, aber bei den beiden Teammitgliedern. Denn: In die Welle paddeln, spielt es in dieser Liga nicht. Einer der beiden Teamsurfer fährt den Jetski, der andere wird in die Welle gezogen; tow-in nennt sich das in der Fachsprache. Von Rupp will in den kommenden Jahren diese Art des Surfens weiter prägen und hat daher seinen Lebensmittelpunkt nach Nazaré verlegt. Der jährliche Bewerb ist in erster Linie Mittel zum Zweck, denn so lassen sich Aufmerksamkeit und das notwendige Budget für seine Projekte generieren. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern macht er sich unter dem Begriff „Mountains of the Sea“ auf die Suche nach den größten surfbaren Wellen der Welt. Dabei gibt es zwei Schwerpunkte, erläutert er: „Einerseits wollen wir an unserem neuen Stützpunkt in Nazaré die Grenzen des Surfens weiter verschieben. Hier ist unser Epizentrum, hier laufen alle Fäden zusammen – wir arbeiten intensiv mit Wissenschaftlern und Forschern zusammen, um den Ozean und damit die Wellen besser zu verstehen und das Risiko, das wir eingehen, besser kalkulierbar zu machen. Andererseits machen wir uns auf die Suche nach bisher unentdeckten Riesenwellen. Die erste Expedition führte uns im April für drei Wochen in den Norden von Island.“ Gute Wellen gab es dort jede Menge, doch noch nichts reichte an die bekannten Spots heran.

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