Yachtrevue 3/2009

März 2009

Artikel in dieser Ausgabe:

Ressort Kreuzpeilung
Nach 126 Tagen, 5 Stunden, 31 Minuten und 56 Sekunden ging Norbert Sedlacek beim Vendée Globe 08/09 durchs Ziel. Wurde er damit erwartungsgemäß Letzter, mehr als 40 Tage hinter dem Sieger und ohne echte Chance auf den Sieg? Oder erster deutschsprachiger „Finisher“ bei diesem Rennen, wobei er das erste Drittel mit seinem 11. Platz unter 30 gestarteten Teilnehmern nur knapp verfehlte? Nüchtern betrachtet: beides. Sedlaceks Erstversuch beim letzten Vendée Globe (2004/05) war auf Grund von Kielproblemen bereits in Kapstadt zu Ende und vom Ergebnis her wenig überzeugend. Der letzte Platz bei dieser Auflage ist zwar demgegenüber ein Fortschritt, aber halt ein lupenreiner „Lederer“. Dementsprechend bissig fallen manche Kommentare aus der Fachwelt aus. In einer Gesamtbeurteilung ist das aber nur eine Seite des Bildes. Auch die andere Seite verdient ausgesprochene Würdigung – und dazu muss man kein Fan von Sedlacek und seiner Vermarktungsstrategie sein. Erstens: Der Mann verdient schon deswegen (mehr?) Respekt, weil er seine Träume hartnäckig zu verwirklichen versucht. Mittel hin, Auftreten her, alleine die Leistung, das Vorhaben auf die Beine gestellt zu haben, ist beachtlich. Zweitens: Bei einer Regatta anzutreten, obwohl man keine reelle Chance auf einen Platz am Stockerl hat, ist nichts Ehrenrühriges. Ansonsten wäre Österreichs Regatta-Szene zu 80% leergefegt, hätte ich früher – von jetzt ganz zu schweigen – bei bestimmten Windbedingungen erst gar nicht antreten dürfen und würde Regattasegeln zum reinen „Gewinnen-Müssen“ verkommen. Der vom Marathonlauf bekannte Sager „Durchkommen heißt Siegen“ mag abgegriffen sein, passt aber allemal. Drittens: Woran es liegt, dass ähnlich beeindruckende und in den zählbaren Resultaten vermutlich ähnlich limitierte Unternehmungen wie eine österreichische Astro- oder RC44-Kampagne eine deutlich bessere Nachred‘ haben, weiß ich nicht. Jedenfalls hat es der im Auftritt oft polarisierende Sedlacek nicht leicht im Heimatland. Österreichs Segel-Adel lässt sich von einem Ex-Straßenbahner, der die Bim Bim sein lässt und sich an allen etablierten Strukturen vorbei im (durchaus kritisierbaren) „Selbst-ist-der-Mann“-Verfahren das (Hochsee-)Segeln beibringt, nicht ohne weiteres beeindrucken – da kannst du mittlerweile zehn Mal eines der Hochsee-Aushängeschilder Österreichs sein. Die Welt braucht auch bunte Vögel, Leute auf ungewohnten Pfaden, die eigensinnig ihre Vision mit und oft auch ohne Beifall verwirklichen. Daher ein Vorschlag zur Güte: Keine(r) muss das lieben oder gut finden – Respekt verdient es/er allemal.









 

Lederer oder Leader?

Ressort Achteraus

Arbeitstier. Die private März-Bilanz von ...

Ressort Ausrüstung
Der Artikel "Segel" ist in einer älteren Yachtrevue-Ausgabe erschienen.
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Segel

Neue Schnitte, Materialien und Technologien

Ressort Ausrüstung
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Osmoseprophylaxe Osmoseprophylaxe

Osmoseprophylaxe

Do-it-yourself-Anleitung Osmosevorbeugung und Unterwasserneuaufbau

Ressort Fahrtensegeln
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Auszeit Auszeit

Auszeit

Wie man einen Ausstieg auf Zeit einfädelt und warum es lohnt

Ressort Revierberichte
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Neuseeland

Die Seenomaden umrundeten Neuseeland unter Segeln

Ressort Segelboottests
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First 45 und Dufour 45

Spielen im selben Segment, haben aber weniger gemein als gedacht

Ressort Layline
Eine Virtual Reality Fishing Machine für Angelfreaks, ein Regenwurmextraktor für Ködersuchende, ein Herzmonitor für die Hosentasche, ein Hotelsafe mit automatischer Gebührenabrechnung, ein frei schwimmender Robotertunfisch und ein Fahrrad mit Wasserstoffantrieb: Auf der Suche nach der Zukunft muss man sich durch manches Kuriosum klicken. Aber wo liegt sie, die Zukunft des Segelns? Und ist sie rosig? Oder grün und nachhaltig? Was heißt überhaupt nachhaltig? Wird der Steyr Hybridantrieb der Toyota Prius fürs Wasser? Oder geht bald eh alles nur noch mit Strom? Werden dann Schmalzl und Frauscher zum Google und Microsoft des Elektroantriebs? Während die großen Bootsfirmen ihre Produktionskapazitäten dem schwächelnden Markt anpassen und Händler wachsende Lagerbestände finanzieren müssen, sind vogelfreie Heinzelmännchen eifrig am Zaubern. Spinner, Träumer, Fantasten – mit wenig Geld aber viel Hoffnung. Wie Jim Harrington in Victoria, in der kanadischen Provinz British Columbia, unweit von Vancouver, dem Austragungsort der nächsten Olympischen Winterspiele. Harrington ist Elektronikingenieur und erfinderischer Tausendsassa, der unter anderem ein Teleskop für die Jupitersonde Ulysses entwickelt hat. Vom Jupiter zum Schiffsdiesel ist es nur ein Katzensprung, erzählt der passionierte Fahrtensegler: „Diesel rauchen, stinken und lärmen. Das ist weder für mich noch die Umwelt gut.” Dann erinnerte er sich an das Apollo Raumfahrtprogramm, das schon anno 1970 Brennstoffzellen verwendete und dachte: „Hmmm …” Es dauerte ein Jahr, bis Harrington und sein Tüftelpartner Ian Soutar die Katze im Sack hatten und einen Elektromurl auf einem 21 Fuß langen Kimmkieler installierten, der nur Wasserstoff für die Brennstoffzellen benötigt. Selbiger wird durch Elektrolyse hergestellt, die den Strom aus Solarzellen bezieht. Eine rundum saubere Sache also, denn beim Betrieb fallen statt Russ, Stickstoff und Kohlendioxid nur Wasser und Wärme ab. Topspeed laut Erfinder ca. 4 Knoten, bei 500 bis 600 Watt (15 Ampere, 39 Volt Gleichstrom). Und knattern tut auch nix. Harrington wurde für diesen Streich unlängst vom Staate Kanada mit einer hohen Auszeichnung bedacht. Bestärkt in seinem Tun bastelte er einen Umbausatz für Außenborder, die damit zu E-Motoren mit 3-Phasen-Wechselstrom (230 Volt) mutieren. Die Teile dafür gibt es über den Ladentisch zu kaufen. Strom für die Batterien kommt von der Sonne oder aus Brennstoffzellen:









 

Zukunftszauberer