
Ruppig. Mit dreifach gerefftem Groß und kleiner Fock bei halbem Wind von Neuseeland nach Fidschi: 1.143 Seemeilen, acht Tage, Wind bis 35 Knoten
©Wolf SlanecIm Gespräch. Doris Renoldner und Wolf Slanec, als Seenomaden bestens in der Blauwasser-Szene bekannt, über das Älterwerden von Mensch und Material, die ungebrochene Sehnsucht nach fernen Ufern sowie die Tücken der Moderne
Yachtrevue: Seit wann sind Sie wieder in Österreich und fällt Ihnen der Wechsel auf das Landleben schwer?
Doris Renoldner: Wir sind Ende November 2025 zurück nach Österreich gekommen. Und ja, der Wechsel vom Leben am Boot zum Leben an Land ist jedes Mal gewöhnungsbedürftig, das Wandern zwischen den Welten nicht leicht. An Land gelten andere Prioritäten als auf See, andere Spielregeln.
Wolf Slanec: Am Boot kommt uns alles klar und überschaubar vor. An Land fühlen wir uns zerrissen. Zusätzlich zu unserer typischen Land-Arbeit, wie Texte schreiben, Fotos ordnen und bearbeiten oder Vorträge zusammenstellen und halten, wollen wir immer noch ein dichtes Extra-Programm erledigen. Wahrscheinlich laden wir uns zu viel auf, stopfen zu viel in zu kurze Zeit hinein. Und haben dabei trotzdem dieses diffuse Gefühl, es könnte noch mehr sein.
YR: Was vermissen Sie an Land am meisten?
Renoldner: Die Überschaubarkeit unserer kleinen Welt. Auf Nomad gibt es nicht viel, aber alles, was wir für ein glückliches Leben brauchen. Und das Meer an sich fehlt ganz schrecklich, der morgendliche Sprung in die türkisfarbene Lagune, die Einsamkeit, die Einfachheit und der unendliche Horizont vorm Bug.
YR: Und was können Sie besonders genießen?
Slanec: Den Kontakt zu guten alten Freunden, Wanderungen und Skitouren in den heimischen Bergen, Theater- und Konzertbesuche.
Renoldner: Purer Luxus ist unsere Badewanne – als Ersatz für die türkisfarbene Lagune …
YR: In welchem Zustand befindet sich Ihre Yacht und wo liegt sie gerade?
Slanec: Unsere Nomad steht zurzeit in Australien an Land, genauer gesagt nördlich von Brisbane, also an der Ostküste, in der Werft der Bundaberg Port Marina. Sie ist mittlerweile 38 Jahre alt, aber trotzdem in sehr gutem Zustand. Vor Überraschungen sind wir aber nie sicher, mal findet sich ein Loch im Karbongehäuse des Wassermachers, mal korrodiert der Wärmetauscher des Motors, mal wird das Display vom Autopiloten blind. Und wir tauschen regelmäßig Fenster aus, ersetzen Leinen und Blöcke oder fädeln neue Kabel quer durchs Schiff. Nomad hält uns permanent auf Trab.
YR: Herr Slanec, Sie haben 2025 Ihren 70. Geburtstag gefeiert. Ist das Älterwerden ein Anlass zur Sorge?
Slanec: In gewisser Weise schon, weil ich befürchte, dass wir irgendwann nicht mehr fit genug sind, um etwa die vorhin genannten Instandhaltungsarbeiten selbst durchzuführen, oder dass uns raue Ozeanetappen zu anstrengend und mühsam werden. Wir brauchen schon jetzt für alles viel länger als früher. Und wenn die Kräfte nachlassen, steigt die Verletzungsgefahr.
Renoldner: Umgekehrt hat das Alter aber auch positive Aspekte: Wir haben in den vielen Jahren auf See jede Menge Routine und einen riesigen Erfahrungsschatz erworben, das hilft zum Beispiel enorm bei der Routenplanung. Wir wissen genau, wann wir wo segeln können, haben Hurrikan-Zeiten, Windsysteme und Wettermuster jederzeit im Kopf parat. Und wir gehen vieles entspannter an, leben stärker im Jetzt als früher.
YR: Sie sind seit fast 40 Jahren unter Segeln auf dem Wasser unterwegs. Gibt es besonders auffällige Veränderungen in der Blauwasser-Szene?
Das komplette Interview lesen Sie in der Yachtrevue 2/2026 – am Kiosk ab 20. Februar.

