Ohne Wenn und Aber

Michael Guggenberger folgt kompromisslos seinem Traum und will in weniger als einem Jahr als erster Österreicher bei der Weltumsegelungs-Regatta Golden Globe Race an den Start gehen

Ohne Wenn und Aber

Das Golden Globe Race ist anders. Auf Yachten und mit Hilfsmitteln wie anno dazumal segeln die Teilnehmer solo und nonstop um die Welt, GPS, moderne Kommunikationsmethoden oder Elektronik sind nicht erlaubt; ein Retro-Rennen im Geist der Pioniere. Die Premiere fand 2018/19 statt, gewonnen hat der 73-jährige Franzose Jean-Luc Van Den Heede auf einer Rustler 36. Nur fünf von 17 Solisten kamen ins Ziel. Ob diese Regatta cool oder seltsam ist, liegt im Auge des Betrachters.

Michael Guggenberger ist auch anders. Der 44-jährige Wiener ließ sich nie in eine Schublade stecken, arbeitete als Zimmermann, Bauleiter, Musikveranstalter, DJ, Kulissenbauer, Gastronom und Heilmasseur. Eine wilde Mischung, die man ebenfalls cool oder seltsam finden kann, die aber jedenfalls von einer Klammer geeint wird – was immer er tat, tat er mit Leidenschaft.

Das gilt auch für den Segelsport, den Guggenberger 2009 für sich entdeckte. Er begann auf einer Jolle, erweiterte seinen Horizont aber bald Richtung Hochsee, erwarb im Eilzugstempo diverse Zertifikate, bestritt Regatten auf einer UFO22, verdingte sich als Skipper, Ausbildner und Trainer. Doch irgendwann reichte es ihm nicht mehr, am Attersee oder in Kroatien herumzuschippern. Er suchte nach einer neuen Herausforderung. Und fand sie im Golde Globe Race. „Alleine ein Schiff nonstop um die Welt zu segeln, zählt zu den pursten und direktesten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann“, glaubt er, „und das gilt umso mehr, wenn es so reduziert wie bei diesem Rennen stattfindet.“ Beim Golden Globe Race geht es weniger ums Gewinnen, so seine Überzeugung, dafür mehr ums Erleben und Ankommen. Und das trifft bei ihm einen Nerv.

Ursprünglich wollte Guggenberger bereits 2018 dabei sein, musste seine Meldung aber zurückziehen. Nun hat er die nächste Auflage im Visier, die im Herbst 2022 starten wird. Ein passendes Schiff besitzt er bereits: Im Frühjahr 2020 kaufte eine Biscay 36, die als Langkieler zwischen 32 und 36 Fuß sowie als Serienyacht, die vor 1988 entworfen wurde, den Vorgaben des Reglements entspricht. Der Vorbesitzer hatte damit am GGR 2018 teilgenommen und die 46 Jahre alte Ketch einem exzessiven Refit unterzogen, dennoch investierte Guggenberger viele Arbeitsstunden, um sie endgültig auf Vordermann zu bringen. „Ich habe die Inneneinrichtung ausgebaut, lackiert und wieder eingebaut“, erzählt er, „außerdem das gesamte elektrische System erneuert, das Rigg getunt und diverse Kinderkrankheiten beseitigt.“ Seit 15 Monaten steckt Guggenberger all seine Zeit und Energie in dieses Projekt. „Das ist superspannend, weil ich jeden Tag etwas dazu lerne“, zieht er eine Zwischenbilanz, „manchmal bin ich vom Arbeitspensum überwältigt und es ist echt hart, aber die Regatta wird ja auch hart sein.“

Seine Yacht sei gut in Schuss, ist Guggenberger überzeugt, er könnte jederzeit damit lossegeln.

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