Wille zum Wahnsinn

Der Österreicher Michael Niederer gestaltete für einen Berliner Multimillionär das Innenleben einer 48 Meter langen Motoryacht komplett neu. Dabei wurden weder Kosten noch Mühen gescheut

Wille zum Wahnsinn

Fünf Monate lang suchte er nach dem perfekten Stein. Nicht nach dem Stein der Weisen, sondern nach jenem Material, mit dem er die Wände der 48 Fuß langen Motoryacht Forever auskleiden wollte. Was er schließlich in Carrara fand, kam seinen Vorstellungen zwar am nächsten, traf sie aber noch nicht zu hundert Prozent. Also wurden die Steinplatten auf sein Geheiß per Hochdruck mit Wasser bearbeitet, um die Oberfläche rauer zu machen, und anschließend mit riesigen Walzen gebürstet. Weil rau ja, kratzig nein. Das Ergebnis war eine dreidimensionale, reizvoll unregelmäßige Textur, die an eine Felswand erinnert. Michael Niederer ließ den Stein in einem steilen Lichtkegel anstrahlen und war zufrieden.

Man muss besessen sein, um so einen Aufwand zu betreiben. Und einen Auftraggeber haben, der bereit ist, diese Besessenheit zu finanzieren. Auf Niederer trifft beides zu. Der gebürtige Ötztaler, der mit seinem Unternehmen St. Corona Interiors Design maßgeschneiderte Raumkonzepte entwickelt, war verschlungene Wege gegangen, ehe er seine wahre Berufung fand. Internat in der Mehrerau am Bodensee, Lehre als technischer Zeichner, Matura in einer Innsbrucker Tourismusschule, WU-Studium in Wien, Manager im edlen Hotel Meridien, Aufbau eines Planungsbüros im ebenso edlen Einrichtungshaus Steinwender. 2017, im Alter von 35 Jahren und in der sicheren Überzeugung das Richtige zu tun, machte sich Niederer selbständig. Der passende Schritt zur passenden Zeit; das Geschäft „explodierte“ förmlich, wie er selbst sagt, die Kunden gaben sich die Klinke in die Hand.

Einer davon war Jakob Mähren, ein etwa gleichaltriger, millionenschwerer Immobilieninvestor aus Berlin, den er bei einer Hochzeit kennen gelernt hatte. Der Selfmade-Mann beauftragte Niederer damit, ein eben gekauftes Haus nahe Kitzbühel umzubauen und einzurichten und ließ ihm dabei weitgehend freie Hand. Niederer wusste diesen Vertrauensvorschuss zu nutzen, verwandelte die wunderschön gelegene, aber heruntergekommene Bude in ein Traumchalet und wurde dafür mit einem Beitrag in der Interior-Design-Bibel von Andrew Martin belohnt – der ultimative Ritterschlag für Innenarchitekten aus aller Welt. Mähren wiederum war von Niederers stilsicherer Detailverliebtheit so begeistert, dass er auch mit seinem nächstem Projekt bei ihm vorstellig wurde: „Kannste auch Schiffe?“, fragte er ihn schnoddrig. „Klar“, entgegnete Niederer, der noch nie zuvor seinen Fuß an Bord einer Yacht gesetzt hatte, ohne zu zögern. Eine Antwort, die ihn Jahre seines Lebens kosten sollte …

Unerwartete Herausforderungen

Denn der Innenausbau einer Motoryacht, das stellte sich bald heraus, war mit dem Innenausbau eines Hauses nicht zu vergleichen. „Die technischen Vorgaben sind diffizil“, beschreibt es Niederer, „es gibt haufenweise wartungsintensive Geräte, zu denen man jederzeit Zugang haben muss, die es aber gleichzeitig zu verstecken gilt. Im Grunde hast du es mit einer schwimmenden Fabrik zu tun, die unentwegt Geräusche und Gerüche fabriziert, aber als Luxuswohnraum getarnt werden soll.“

Konkret handelte es sich bei der schwimmenden Fabrik um ein 48 Meter langes, 2014 bei Logica Yachts in Viareggio gebautes Stahlschiff, das Mähren vom Erstbesitzer erworben hatte. Grundriss und Raumaufteilung gefielen ihm, das in Braun und Petrol gehaltene Ambiente war ihm aber zu konservativ. Er brauche was Helles, Frisches, ließ er Niederer wissen und umriss im gleichen Atemzug, wofür er den Dampfer zu nutzen gedenke: Das Ding müsse richtig Party machen können, er wolle aber auch mit der Familie urlauben und Geschäftspartner damit beeindrucken. Niederer möge sich bitteschön an der aktuellen Luxus-Hotellerie und diesem gewissen Miami-Beach-Penthouse-Look orientieren.

Aha. Nachdem die Zusammenarbeit mit einer Flasche Dom Perignon offiziell besiegelt worden war, macht sich Niederer voll Elan an die Quadratur des Kreises.

Die ganze Story lesen Sie in der Yachtrevue 10/2019, am Kiosk ab 4. Oktober!

Der komplette Bericht als PDF-Download:

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