Bereit für den Anfang

Wer an einer Regatta teilnehmen will, muss korrekt über die Startlinie gehen. Judith Duller-Mayrhofer hat Kenner und Könner gefragt, was Einsteiger über den Start wissen müssen und welche typischen Fehler es zu vermeiden gilt

Bereit für den Anfang

Der Start zählt zu den wichtigsten, spannendsten und stressigsten Phasen einer Wettfahrt. Kein Wunder, dass sich Neulinge von dem komplexen Geschehen überfordert fühlen – oder sich aus Angst vor Kontrollverlust erst gar nicht auf den Regatta-Parcours trauen. Doch auch Newcomer können diese Herausforderung mit Anstand bewältigen, sofern sie sich auf die entscheidenden Aspekte konzentrieren. Welche das sind, soll auf den folgenden Seiten zusammengefasst werden.

Das Prozedere


Wie lange dauert es noch? Diese Frage wird Anastasia Weinberger, Wettfahrtleiterin, internationale Schiedsrichterin sowie Vize-Vorsitzende des Race Official Committee der Eurosaf, am Wasser nicht selten gestellt. „Unerfahrene Seglerinnen und Segler verlieren im Vorstart-Getümmel leicht den Überblick und sind dann völlig hilflos“, weiß sie und empfiehlt daher dringend, sich vorab jene Signale, die eine Flotte durch den Startvorgang führen, in Erinnerung zu rufen, bewusst einzuprägen und den Ablauf mehrmals mental durchzuspielen – so behält man stets die zeitliche Orientierung.

Zehn Minuten vor dem Start wird eine orangefarbene Flagge gesetzt, um die Teilnehmer davon in Kenntnis zu setzen, dass es demnächst los geht. Sie bleibt während des gesamten Startvorgangs oben und wird erst vier Minuten nach dem Start geborgen.

Fünf Minuten vor dem Start wird das Ankündigungssignal gesetzt. Ob es sich dabei um die Klassenflagge, die Flagge R (bei Yardstickregatten), einen Zahlenwimpel oder den Clubstander handelt, steht in den Segelanweisungen, die man an Land hoffentlich aufmerksam gelesen hat.
Eine Minute später geht zusätzlich das Vorbereitungssignal nach oben. Es zeigt nicht nur an, dass der Start in nunmehr vier Minuten über die Bühne geht, sondern auch, was passiert, sollte man innerhalb der letzten Minute die Linie frühzeitig kreuzen. Ist der „Blaue Peter“ (Flagge P) gesetzt, gelten für diesen Fall keine besonderen Regeln, man taucht einfach wieder hinter die Linie zurück und bleibt im Spiel. Größte Vorsicht ist hingegen bei Flagge U oder Flagge Schwarz geboten: Wer dann innerhalb der letzten Minute zu früh über der Linie ist, wird disqualifiziert. Sollte es einen Allgemeinen Rückruf geben, darf man unter Flagge U wieder an den Start gehen, bei Schwarz jedoch nicht; die Black Flag zeigt also die härteste Strafregelung an. „Üblicherweise beginnt die Wettfahrtleitung mit der Flagge P,“ erklärt Weinberger, „erst wenn die Starts nicht klappen, wird Schritt für Schritt verschärft, also in der Regel zuerst die Flagge U, dann die Black Flag gesetzt.“ Früher gängige Versionen mit Flagge I (Runden von Startschiff oder Pinend) oder Flagge Z (20% Punktstrafe) werden von World Sailing und OeSV nicht empfohlen.

Eine Minute vor dem Start wird das Vorbereitungssignal (also die Flagge P, U oder Schwarz) wieder eingeholt und es ist nur noch jene Flagge zu sehen, die beim Ankündigungssignal fünf Minuten vor dem Start gesetzt wurde; beim Start geht auch sie nach unten. Jedes der oben genannten Flaggenzeichen ist von einem gleichzeitig gegebenen akustischen Signal begleitet, geschossen oder getütet wird also zehn, fünf, vier und eine Minute vor dem Start und natürlich beim Start selbst. Wichtig: Was zählt, sind die Flaggensignale, erfolgt das akustische Signal verspätet oder gar nicht, ist das kein Grund für einen Startabbruch.

Gab es einen Frühstart, setzt die Wettfahrtleiterin oder der Wettfahrtleiter entweder die Flagge X (= Einzelrückruf) und gibt ein Schallsignal – dieses akustische Signal ist das einzige, das im Rahmen des Startvorgangs zwingend erfolgen MUSS. Beim Einzelrückruf hat jeder Teilnehmer selbst zu entscheiden, ob er damit gemeint ist und den Start wiederholen muss. „Solange diese Flagge oben ist, haben sich noch nicht alle Frühstarter entlastet. Das ist eine wichtige Information“, betont Weinberger, die zu den höchstqualifizierten Wettfahrtleitern des Landes gehört und seit über zehn Jahren intensiv in der internationalen Szene tätig ist. Und: „Die Entlastung ist erst dann vollzogen, wenn sich der Rumpf des Bootes vollständig auf der Vorstartseite der Linie befindet.“ Geht der dreieckige erste Hilfsstander hoch und es sind zwei Schallsignale zu hören, bedeutet das einen Allgemeinen Rückruf und das gesamte Startverfahren beginnt für alle von vorne. Will die Wettfahrtleiterin oder der Wettfahrtleiter mit dem Start zuwarten – etwa weil eine Veränderung der Windsituation abzusehen ist –, wird am Startschiff der rot-weiß-rot gestreifte Antwortwimpel AP für Verschiebung gesetzt. Antwortwimpel und erster Hilfsstander werden, begleitet von einem Schallsignal, sechs Minuten vor dem Start geborgen, eine Minute danach erfolgt dann das Ankündigungssignal.

Die Strategie

Für den perfekten Start braucht es jede Menge Know-how, keine Frage. Exzellente Segler kombinieren Erfahrungswerte mit aktuellen Beobachtungen, priorisieren ihre Erkenntnisse und verfügen über entsprechende Bootsbeherrschung, um den theoretischen Plan auch in die Praxis umzusetzen.

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