Trennung am Höhepunkt

Thomas Zajac und Tanja Frank wurden zur Mannschaft des Jahres gewählt und geben das Ende der gemeinsamen Karriere bekannt

Trennung am Höhepunkt

Als strahlende Gewinner durften sich die Bronze-Medaillen-Gewinner von Rio, Thomas Zajac und Tanja Frank, bei der Lotterien-Gala "Nacht des Sports" präsenterieren. Das Duo wurde rde nach Roman Hagara/Hans Peter Steinacher (2000, 2004) und Lara Vadlau/Jolanta Ogar (2014) als drittes Segelteam als Österreichs Mannschaft des Jahre ausgezeichnet und entsprechend gefeiert.

Bei dieser Gelegenheit gaben die beiden auch das Ende ihrer gemeinsamen Segel-Karriere bekannt. Die Leistung und der Lauf in Rio würden nur sehr schwer zu toppen sein, hinzu kommt, dass Tanja Frank einen Positionswechsel anstrebt. Die 23-Jährige, die nie ein Geheimnis daraus gemacht eines Tages selber steuern zu wollen, steigt in die 49erFX-Klasse um, nimmt Lorena Abicht (22) mit auf die Flügel und Tokio 2020 ins Visier. Thomas Zajac, der einer weiteren Olympiakampagne auf dem Nacra17 positiv gegenübersteht, macht sich damit auf die Suche nach einer neuen Vorschoterin. Parallel dazu will sich der 31-jährige in der Offshore-Szene ins Gespräch bringen, wo er mittelfristig Engagements anstrebt.

KURS ENOSHIMA

Für Tokio sind neue Spielregeln angekündigt, es sollen Formatänderungen folgen, um den Segelsport noch medientauglicher und greifbarer zu machen. In der Bootsklassenpolitik muss sich nicht zwingend etwas tun, aber auch hier sind Änderungen bzw. Neuerungen nicht ausgeschlossen. Möglicherweise gibt es einen zusätzlichen Event, die Damenquote soll weiter erhöht werden, wobei die Gesamtzahl der teilnehmenden Athleten nicht steigen wird. Gesegelt wird die kommende Olympia-Regatta vor Enoshima, einer kleinen Halbinsel in der Sagami Bucht, knapp 50 Kilometer südlich von Tokio. Ein entsprechendes Konzept wird vom Welt-Segelverband erarbeitet, dem IOC präsentiert und im Idealfall im kommenden Februar öffentlich gemacht.

Unabhängig von den möglichen Änderungen, gilt es für die OeSV-Flotte auf Betriebstemperatur zu bleiben. Das geschah zuletzt in Split, wo David Bargehr/Lukas Mähr und Benjamin Bildstein/David Hussl mehrere Wochen stationiert waren, und das passiert im November in Barcelona und am Gardasee, wo der gesamte Nationalkader am Rotieren ist. Darüber hinaus geben Nico Delle Karth/Niko Resch, Matthias Schmid/Florian Reichstädter (470er) und Co. dem OeSV-Jugendkader, der sich in Italien auf die Youth Sailing World Championship in Auckland (14.-20. Dezember) vorbereitet, praxisbezogenen Anschauungsunterricht. Mitte November wird der Container für Miami verladen, anschließend übersiedeln Lara Vadlau/ Jolanta Ogar, Benjamin Bildstein/David Hussl (49er) und David Bargehr/Lukas Mähr (470er) nach Down Under, wo von 5.-11. Dezember vor Melbourne das Weltcupfinale über die Bühne geht. Im neuen Jahr warten das Trainingslager und der Weltcup vor Miami.

STIMMEN:

Thomas Zajac:
„Wir trennen uns im Allerbesten, haben weder Streit, noch eine Krise. Wir verstehen uns nach wie vor ausgezeichnet, wissen was wir gemeinsam erreicht haben und wissen genauso gut, was dazu von Nöten war. Wir hatten eine perfekte Zeit, im entscheidenden Moment einen Traumlauf und das Glück, kein Pech gehabt zu haben. Man soll bekanntlich aufhören wenn es am schönsten ist und das ist aktuell der Fall. Ich habe Tanja ermutigt das Steuer in die Hand zu nehmen und den Schritt auf den 49erFX zu wagen, ich denke das ist eine sehr vielversprechende Option. Für mich kommt weiterhin der Nacra17 in Frage, allerdings brauche ich dafür eine passende Partnerin. Die Olympiakampagne hat Priorität, aber langfristig gesehen strebe ich einen Wechsel in den Offshore-Bereich an. Ich werde versuchen mich ins Gespräch zu bringen und hoffe auf die eine oder andere Bewährungsprobe.“

Tanja Frank:
„Es ist ein weinendes und ein lachendes Auge dabei. Auf der einen Seite war es keine leichte Entscheidung, weil die Konstellation mit Tom einfach passt und wir bewiesen haben, das wir sehr gut miteinander können, auf der anderen Seite wollte ich etwas anderes, etwas Neues. Skiff-Segeln ist extrem attraktiv, die Chance mich als Steuerfrau durchzusetzen ungemein reizvoll. Ich habe zuletzt mit Lorena unter der Anleitung von OeSV-Trainer Luca Bursic am Gardasee meine ersten Runden gedreht und bin absolut begeistert. Ich komme mit der neuen Herausforderung sehr gut klar, es steckt viel Spaß und Dynamik drinnen, die Basis ist super, wir wollen das gemeinsam durchziehen und steuern Tokio an.“

Georg Fundak (OeSV-Sportdirektor):
„Die Entscheidung die Thomas und Tanja getroffen haben basiert auf einem vernünftigen und intelligenten Weg. Die Art und Weise wie sie das gemeinsam erarbeitet haben und durchziehen, ist für mich vorbildlich. Damit ergeben sich zusätzliche Optionen, die wir aufgreifen und bestmöglich unterstützen werden. Was die Olympischen Spiele in Tokio betrifft haben unsere Vorbereitungen bereits 2012 begonnen. Wir haben in den vergangenen vier Jahren die nächste Generation im Soge unserer Nummer-1 Boote an die Weltspitze herangeführt, die Erfahrungen aus der letzten Rio-Kampagne, die Anfang Oktober ausgearbeitet und analysiert wurden, fließen in den jetzigen Prozess mit ein. Wir werden das Training weiter modifizieren, streben eine noch stärkere Zusammenarbeit mit der Sportwissenschaft und der Wissenschaft im Allgemeinen an und werden wieder sehr intensiv und gezielt vor Ort arbeiten. Die Konzeptionierung in den Bereichen Metrologie und Psychologie ist so gut wie abgeschlossen, in den kommenden zwei Wochen wird die technische und materielle Richtung bekannt sein. Im Jänner wollen wir in Miami mit der neuen Trainingsmethodik, die sowohl am Wasser, als auch am Land angewandt wird, anfangen. Die Olympiaqualifikation beginnt bereits 2018, wir werden den möglichen Änderungen und finalen Entscheidungen durch das IOC und dem Weltsegelverband ein hohes Maß an Flexibilität entgegenbringen und dürfen keine Zeit verlieren.“

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