Atlantische Horizonte

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Helles Köpfchen. Die strategische Marken-DNA wird von der Werft konsequent umgesetzt, offene Räume und Kommunikationswege gelten als Prämissen. Am Steuer fühlt sich die neue 48er vor allem bei mittlerem bis stärkerem Wind besonders gut an

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Fountaine Pajot 48. Viel Platz, solide Segeleigenschaften und ein elektrisches Antriebssystem, das Reichweite neu interpretiert. Georg Gamsjäger testete die Fountaine Pajot 48 ODSea+ vor La Rochelle

Le Phare du Bout du Monde weist vor La Rochelle den Weg auf den Atlantik. Der hölzerne Leuchtturm ist eine Nachbildung jenes Originals, das einst am Kap Hoorn stand und Jules Verne zu seinem Roman Der Leuchtturm am Ende der Welt inspirierte. Welch passender Ausgangspunkt für die erste Begegnung mit einem Katamaran, der ebenfalls neue Horizonte erschließen möchte – mit der Fountaine Pajot 48 ODSea+, die klassisches Fahrtensegeln mit zwei Elektromotoren sowie intelligentem Energiemanagement kombiniert.

Bereits die Anreise macht deutlich, welche Bedeutung der Wassersport in dieser Region hat. Allein der Bahnhof von La Rochelle wäre einen Besuch wert; dahinter erstreckt sich eine Stadt, in der sich beinahe alles um Boote und Meer dreht. Im alten Hafen werden Optimisten über eine großzügige Slipanlage zu Wasser gelassen, Kinder sammeln bereits im Volksschulalter regelmäßig Erfahrungen unter Segel. Segelmacher, Werften, Ausrüster, Servicebetriebe und Verkaufsbüros säumen den Weg zur Capitainerie, im Hafen zeichnet sich ein dichter Mastenwald gegen den Himmel ab. Auch die 1976 gegründete Werft Fountaine Pajot ist hier zu Hause. Ihre Katamarane werden im unmittelbaren Einflussbereich des Atlantiks gefertigt – und das spürt man. An der Küste vor La Rochelle gehören Tidenströme, rasche Wetterwechsel und Atlantik Swell zum Alltag, Erfahrung auf See ist keine Marketingfloskel, sondern Teil der lokalen Kultur. Dort, an der Capitainerie, am Weg zum Atlantik, wartet auch die Baunummer eins der neuen 48er.

Raum als Programm

Komfortabel, das ist der Begriff, der einem zur Fountaine Pajot 48 als erstes in den Sinn kommt. Angeboten wird sie in drei klar definierten Ausführungen. Die Varianten Maestro und Full Maestro richten sich vorwiegend an private Eigner, die Quintet-Version mit fünf Kajüten an den Chartermarkt. Rund 55 Prozent der Produktion sollen laut Werft an die erste Gruppe gehen, individuelle Sonderwünsche werden vom hauseigenen Service Department professionell umgesetzt. Helligkeit, Raum und Kommunikation nennt Fountaine Pajot als zentrale Elemente seiner aktuellen Marken-DNA, an Bord der 48er werden sie sicht- und erlebbar. Das Cockpit bildet den Mittelpunkt des Lebens an Bord, Salon und Außenbereich gehen nahezu fließend ineinander über. Der für die Werft typische leicht erhöhte Steuerstand bindet den Skipper ins Geschehen ein, bietet er doch gute Sicht- und Kommunikationsverbindungen zu beinahe allen Bereichen des Schiffes.

Beinahe, denn der direkte Blick auf das Großsegel ist eingeschränkt. Das Canvas-Bimini des Testbootes verfügte lediglich über ein Sichtfenster über dem Manöverbereich vor dem Steuerrad. Für sportlich orientierte Segler, die das Groß permanent beobachten wollen, ist das zunächst gewöhnungsbedürftig. Die Anordnung der Trimmeinrichtungen folgt hingegen einer klaren Logik, Fallen, Schoten und drei hochwertige Harken-Winschen befinden sich in unmittelbarer Reichweite der Person am Steuer. Damit kann sie praktisch alle wesentlichen Manöver vom Steuerstand aus im Alleingang erledigen, sobald sie an den Winschen arbeitet, gibt das Sichtfenster auch den Blick auf Mast und Groß frei. Der Steuerstand selbst liegt eine halbe Ebene über dem Cockpit. Auf der breiten Bank finden zwei bis drei Personen Platz. Darüber erstreckt sich die Flybridge, die nicht nur zusätzlichen Aufenthaltsraum schafft, sondern auch den Zugang zum Großbaum erleichtert.

Segeln statt Reisen

„Unsere Kunden sind Segler“, bringt Maël Jouan, International Sales Manager bei Fountaine Pajot, die Ausrichtung auf den Punkt. Tatsächlich versteht sich die 48 ODSea+ nicht als schwimmendes Apartment mit Hilfsbesegelung, sondern als lupenreiner Fahrtenkatamaran.­ Das 85 Quadratmeter große Squaretop-Großsegel wird klassisch gesetzt und verschwindet beim Bergen zwischen den Lazyjacks. Im Vergleich zu Rollgroßsystemen verlangt diese Lösung zwar etwas mehr Handarbeit, überzeugt dafür aber mit sauberem Segelprofil. Dank der Nähe der Flybridge zum Baum lässt sich das Tuch zu zweit rasch und ohne akrobatische Turnübungen versorgen. Bei rund acht Knoten Wind erreicht die 14,92 Meter lange 48er stabile Geschwindigkeiten in der Größen­ordnung des wahren Windes. Auch bei leichter Seebrise liegt der Katamaran angenehm am Ruder und liefert auf der Kreuz respektable Werte. Die knapp 18 Tonnen Verdrängung lassen­ sich dabei naturgemäß nicht verleugnen. Das Schiff wirkt solide und souverän, nicht nervös oder übermäßig verspielt.

Frischt der Wind auf, zeigt die 48er deutlich, wofür sie gebaut wurde.

Den kompletten Fahrbericht lesen Sie in der Yachtrevue 5/2026 – am Kiosk ab 4. September.

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