Versprochen? Gehalten!

Mit der Excess 13 gelingt der jüngsten Katamaran-Marke aus der Bénéteau-Gruppe eine Punktlandung zwischen Charter- und Performance-Modellen. Wohnkomfort und Segelleistung finden bei diesem Modell bestens zusammen, davon konnte sich Roland Regnemer in Port Ginesta überzeugen

Minimalistisch. Unter dem Motto „Weniger ist mehr“ wurden Materialeinsatz und ungünstige Auswirkungen auf die Umwelt konsequent reduziert. Funktionalität und Komfort hat man hingegen optimiert und auch das Segeln ist, wie der Test bewies, ein reines Vergnügen

Minimalistisch. Unter dem Motto „Weniger ist mehr“ wurden Materialeinsatz und ungünstige Auswirkungen auf die Umwelt konsequent reduziert. Funktionalität und Komfort hat man hingegen optimiert und auch das Segeln ist, wie der Test bewies, ein reines Vergnügen

Wir kennen das Streben zur Mitte. Niemand will am Rand stehen, jeder mittendrin dabei sein. Zur aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung passt das allerdings nicht, denn über einen breiten Kamm geschoren, funktioniert auf der einen Seite die Billigschiene und auf der anderen das Luxusangebot. Der Mittelstand schwächelt hingegen. Entsprechend mutig klingt das Gründungsversprechen von Excess Catamarans: Die jüngste Multihull-Marke innerhalb des Bénéteau-Konzerns will sich zwischen den klassischen Charter-Zweirümpfern für den Urlaub am Wasser und den Performance-Kats à la Outremer, HH und Gunboat ansiedeln. Die beiden ersten Modelle wurden 2019 im Rahmen des Cannes Yachting Festivals präsentiert und mittlerweile von der zweiten Generation abgelöst. Der Ansatz der Positionierung war da bereits erkennbar, es fehlte aber in dem einen oder anderen Bereich noch an der konsequenten Umsetzung. Die grundlegende Designsprache der neuen Marke war hingegen von Anfang an klar definiert. Dem Team rund um Brandmanager Thibaut de Montvalon und Produktionsleiter Hervé Piveteau wurde weitgehend freie Hand gelassen und diese Prämisse hat nach wie vor Gültigkeit. Beide sind leidenschaftliche und kompetente Segler, Hervé Piveteau war bei den Tests in Spanien mit an Bord und legte beherzt Hand an Fallen und Leinen.

Die Excess 13 soll die Lücke zwischen dem 37-Fuß-Einsteigermodell und dem Flaggschiff Excess 14 füllen. Man profitiert von der industriellen Basis des Großkonzerns Bénéteau, möchte aber im Auftritt bewusst frisch und sportlich-emotional rüberkommen. Eine Mischung, die speziell bei jüngeren Fahrtenseglern und Charterkunden gut anzukommen scheint und trotz manch diskussionsanregender Details (Orange!) auch Gefallen bei gestandenen Kalibern findet. Das ist nicht zuletzt dem nautischen Design zu verdanken, und genau da hat Excess in Sachen Segeleigenschaften noch nachgelegt. Erstmals zeichnet das Büro des 2023 verstorbenen Star-Konstrukteurs Marc Lombard für das Rumpfdesign verantwortlich. Die asymmetrischen Rümpfe wurden weiter in Richtung Performance optimiert und die vor allem im Cruising-Bereich verfolgte Praxis der Volumenmaximierung vorsichtig hintangestellt. Die Aufgabe, die divergierenden Zielparameter von Segel- und Wohnqualität unter einen Hut zu bringen, übernahm damit das Interiordesign. Auch da ging man mit der Beauftragung von Piaton Yacht Design neue Wege, das Pariser Büro war jedoch angehalten, sich nur innerhalb der sehr klaren Designsprache von Excess auszutoben. Zusammengeführt wurde der Entwurf vom hauseigenen Designteam, das nicht zuletzt auf das Excess Lab als Ideen- und Impulsgeber sowie institutionalisiertes Sensorium bestehender Kunden und Fans zurückgreifen kann.

Weniger und mehr

Wie bei allen anderen Modellen hat man auch bei der Excess 13 auf eine Lounge- oder Flybridge-artige Lösung am Hardtop verzichtet. Der Großbaum kann damit deutlich tiefer gefahren und die Segelfläche entsprechend größer gestaltet werden. Wem die 113 m2 am Wind nicht reichen, der kann auf das fertige Pulse-Line-Paket zurückgreifen. Es inkludiert ein Großsegel mit größerem Square Top, mit der überlappenden Genua kommt man dann auf 122 m2. Der Verzicht auf den Dach-Platz an der Sonne generiert merkbar gute Segeleigenschaften, besonders positiv fallen diese auf dem Kreuzkurs auf. Dank der großzügigen Sitzflächen im Cockpit und der Liegeflächen im Bugbereich ist der fehlende Außenbereich auch leicht zu verschmerzen. Dafür gibt es zwei Steuerstände, bei Katamaranen ein untrügliches Zeichen für eine sportliche Grundausrichtung. Und tatsächlich hält die Excess 13, was in den Marketing- und Image-Foldern versprochen wird: Wer am Ruder steht, will dort auch bleiben.

Den gesamten Fahrbericht lesen Sie in der Yachtrevue 1/2026, am Kiosk ab 2. Jänner!

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