Telefonica in Reichweite

Wir sind weiter Sechste und auf der Überholspur, Telefonica Azul ist inzwischen in Griffweite gerückt. Jetzt nur das Boot zusammenhalten und trotzdem schnell segeln. Kann auf Holz klopfen, denn am Navitisch haben wir ein Stück davon. Aus rein traditionellen Gründen (oder Aberglauben der Bootsbauer) muss ein Schiff aus Holz sein, auch wenn es aus Kohlefaser ist. Daher wird die Abschlussleiste am Kartentisch aus Holz gemacht.
Hatten heute einen Segelschaden, mit eine riesen Knall ist in der Früh die Halsleine des Q9-Segels gebrochen und das Segel ist frei, nur an Schot und Fall, neben dem Schiff mitgeflogen. Die Rollanlage hat ein Loch gerissen, sonst kein Schaden. Konnten mit allen Leuten an Deck das Segel bergen und dann den A6 setzen.
Meine Stiefel sind seit Anfang der Etappe nass und lassen das Wasser leider in die falsche Richtung durch. Verwende nun missbräuchlich unsere kompostierbaren Ecover Toilettensackerl für meine Füße. Zuerst ein paar warme Socken, dann das Sackerl darüber und dann noch eine Lage zum Schutz des Sackerls. Funktioniert gut, wer braucht schon wasserdichte Stiefel.
Sind seit gestern im Reich der Albatrosse. Könnte dem Flug ewig zusehen, ohne einen Flügelschlag in alle Richtungen zu gleiten, eine Flügelspitze nur Zentimeter über dem Wasser in den Steilkurven und den gesamten Ozean kontrollierend. Warum Albatrosse tausend Meilen vom Land das Meer absuchen kann ich nur vermuten, denn jagen sehe ich sie nie, sie fliegen nur immer. Da sind aber noch andere geniale Flieger in der Luft. Während die Albatrosse langsam gleiten, gibt es noch eine schwarzweissen Vogel mit sichelförmigen Flügel, der pfeilschnell über die Wellen jagt und tolle Steilkurven macht. Der einzige Vogel, der manchmal flattert, ist ein mittelgrosser schwarzer.
Sind seit Mitternacht in den Roaring Fourties und sie machen ihren Namen bisher alle Ehre, Wind in rauer Menge. Wundere mich, was für Menschen das sein müssen, die in pechschwarzer Nacht Boote in halsbrecherischer Geschwindigkeit Wellen hinunterjagen, dabei jede Menge Unannehmlichkeiten auf sich nehmen ohne dabei einen konkreten Nutzen zu ziehen. Bin mir nicht sicher, dass unsere Freunde und Familien so genau wissen was wir da tun, vielleicht besser so.
Position: 40,39.87S , 2,38.4E
Speed: 23 knots, Course: 122 deg.
gr
aeh

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Unglaublich, das Rennen spitzt sich am Ende noch einmal zu. Wir haben Green Dragon seit gestern Abend in Sichtweite, kurz vor Sonnenuntergang habe ich sie am Horizont entdeckt, ein kleiner, kaum erkennbarer goldener Fleck. In der Nacht kamen wir näher, verloren dann aber wieder ein paar Meilen. Am Morgen entdeckt Mikey sie zwischen den Schiffen, die vor Kuala Lumpur auf Reede liegen, eine schlanke Segelpyramide, ohne viel Krängung, während wir guten Druck im Code 0 haben. Da waren der Drache sieben Meilen vor dem Orca. Inzwischen hat sich der Vorsprung auf 4 Meilen reduziert, wir sind auf der Jagd, um auf den letzten 130 Meilen noch Punkte gutzumachen. Die Mannschaft um Ian Walker gehören zu den Besten im Feld, umso schärfer sind wir darauf, sie noch zu überholen. Der Schiffsverkehr ist wirklich unglaublich dicht, das Klima sensationell, scheint ein guter Platz zum Überwintern zu sein, wenn man den Schnee und die Kälte nicht so mag. Bin optimistisch am 24. in Österreich zu sein und mit meiner Familie Weihnachten zu feiern. Grüße Andreas









 

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