
Zwischen High-Speed und Haltung: Valentin Bontus geht nach seiner Knieverletzung auf den Balearen zwei Jahre vor den Olympischen Spielen in das Comebackjahr.
Mallorca ist für die Formula-Kite-Elite, was Chile für die Speed-Asse im Alpinzirkus ist: Trainingsrevier, Materiallabor und letztes Feintuning vor dem Startschuss. Genau dort holt sich Valentin Bontus derzeit den Schliff für seine Comeback-Saison 2026 – und das nach einer Verletzung, die jede Karriere aus der Bahn werfen kann. Ein Kreuzbandriss stoppte den 25-Jährigen im Vorjahr abrupt, nachdem er bei der Trofeo Princesa Sofía in Palma mit Rang drei sein bislang bestes Weltcup-Ergebnis eingefahren hatte.
Jetzt, knapp ein Jahr später, klingt Bontus so, wie man einen Athleten hören will, der wieder „auf Kurs“ ist: Der Heilungsprozess sei optimal verlaufen, körperlich fühle er sich fitter denn je – und das Wichtigste: Beim Kiten müsse er „nie ans Knie denken“. Dass die Form stimmt, zeigte er zuletzt im Trainingslager auf Fuerteventura. Bei einer von den Coaches organisierten Regatta mit vielen Top-Nationen fuhr Bontus starke Rennen und gewann das Finale. Speed und Spaß sind zurück – eine Kombination, die im Foil-Zirkus über Podestplätze entscheidet.
Selbstbewusster Blick in die Zukunft


Parallel läuft die Suche nach dem schnellsten Setup auf Hochtouren. Bei den Foils sieht sich das Team bereits gut aufgestellt, für unterschiedliche Reviere sei das passende Material vorhanden. Bei den Schirmen – speziell bei den großen Größen – wird auf Mallorca intensiv getestet: Es geht darum, die richtigen Bedingungen zu erwischen, um am Ende nicht nur „gut“, sondern messbar schneller zu sein.
Der Kalender macht keine Pause: In zwei Wochen nimmt die Saison mit der Trofeo Princesa Sofía (27. März bis 4. April 2026) wieder Fahrt auf. Der Fokus liegt heuer klar auf den beiden großen Wegmarken: der Weltmeisterschaft im portugiesischen Viana do Castelo im Mai und der Europameisterschaft im türkischen Akyaka Anfang September. Bontus will früh Selbstvertrauen sammeln – und bei der WM um Medaillen mitfahren.
Und dann ist da noch Los Angeles 2028. Bontus beschäftigt Olympia bereits jetzt – auch als Athletensprecher der Klasse. Nach einem problematischen Test-Event in Fortaleza (Brasilien) verfasste er einen Brief an World Sailing: Starkregen habe das Wasser massiv verschmutzt, Treibgut habe Stürze begünstigt, viele Athleten seien krank geworden. Sein Standpunkt ist unmissverständlich: „Beim Olympic Qualifier nächstes Jahr ist das so nicht akzeptabel.“ High-Speed – ja. Aber nicht ohne Haltung.

