
Weißes Plastik, also Glasfaser, Polyesterharz und Gelcoat, sind seit den 1960ern das Lebenselixier der Bootsbranche, weil robust, billig und einfach in der Verarbeitung. Doch nach Gebrauch ist das Zeug ziemlich wertlos, weshalb Altboote entweder in der Müllverbrennung oder auf der Mülldeponie entsorgt werden. Weil die Bootsbauindustrie noch Lichtjahre davon entfernt ist, Produkte konsequent für die Weiter-, bzw. Wiederverwertung zu konzipieren (Stichwort: Kreislaufwirtschaft), sind es Einzelkämpfer für Nachhaltigkeit, die auffallen. Superbe Handwerker, die das Thema Produktion anders denken, bevor sie zur Tat schreiten.
Einer von ihnen ist Chris Maas, der früher Kohlefaser-Ruderboote, foilende Moth-Jollen und Segelkanus entwarf und baute. Doch nun, am Ende seiner aktiven Zeit, schafft er aus Altmaterial Neues bzw. haucht Polyesterschrott frisches Leben ein. Wie z. B. einem abgewirtschafteten Hobie Cat 18, den er für 200 Dollar von einem Nachbarn kaufte, der wie er auf einer Insel nördlich von Seattle lebt. Diesen Hobie baute Maas mithilfe von Konstrukteur Paul Bieker, der jahrelang für Oracle America’s-Cup-Boote entwarf, kurzerhand zu einem foilenden Motorboot um. Elektrisch, selbstredend. „Als Zweitfahrzeug, um auf die Nachbarinsel zum Einkaufen zu düsen,“ erklärt Maas. „Ich brauche 8 Knoten, um aus dem Wasser zu kommen.“ Dabei muss er nur Frau, Hund und Lebensmittel für eine Woche transportieren.
„Mich störte einfach der Abfall, den ich allein mit Verbrauchsmaterialien erzeuge und dann mühsam von der Insel schaffen muss,“ so Maas. Daher sein Motto: Wiederverwerten, was geht. Den Haupttragflügel vorn und die Sperrholzgondel für Fahrer und Passagier schnitzte er selbst. Die hintere Tragfläche, die er am Außenborder installierte, stammt von einer Moth und hebt das Heck des Kats aus dem Wasser. Der Motor ist ein alter 15-PS-Tohatsu-Benziner, der von einem Bekannter aus einer Lagune gefischt und von Maas zu einem E-Außenborder umgestrickt wurde, betrieben mit zwei Lithium-Autobatterien aus einem Chevy Bolt. Die sind an sich neu, waren aber praktisch für lau zu haben, weil ein paar Schraubenlöcher im Chassis falsch gebohrt wurden. Wenn er nach dem Einkaufstrip wieder am eigenen Steg festmacht, kommt der Kat an die Steckdose, die an einer Solaranlage hängt. Der Foiler-Hobie ist zwar nicht so hip wie die 300.000 € teure Candela Seven (siehe YR 6/2020), aber deutlich billiger und ähnlich smart.
