Der weiße Elefant

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Lob der Redaktion, ehrlich: In YR 1/21 war von umweltfreundlichen Verhaltensansätzen verschiedener Segler zu lesen: Segeln statt Motoren, erneuerbare Energie statt fossile Brennstoffen, Müll vermeiden bzw. beseitigen, reparieren statt wegschmeißen und neu kaufen.

Mir fiel allerdings auf, dass der weiße Elefant im Raum diskret verschwiegen wurde: GFK-Boote sind toll, solange sie was taugen, aber irgendwann ist Schicht im Schacht. Und dann? Wohin damit? Nach Osteuropa abschieben? Zusammenschneiden und in den Hausmüll, damit der besser verbrennt? Oder als Brennstoff fürs Zementwerk, wie Autoreifen oder Altöl? Wer ist zuständig? Wer bezahlt? Welche Belastungen entstehen? Und was machen die Werften? Kümmern sie sich um Rücknahme, unterstützen sie Entsorgungsprogramme, oder wird der Steuerzahler mit den Kosten allein gelassen? Berufsbedingt habe ich für eine Artikelserie in Professional Boatbuilder an verschiedenen Orten nachgefragt und dabei keine oder unbefriedigende Antworten erhalten. Am ehrlichsten klang noch Claus-Ehlert Meyer, vom Deutschen Boots- und Schiffbauer-Verband: „Das ist ein schwieriges Thema. Soweit ich weiß, gibt es kein schlüssiges Konzept, weder von öffentlicher noch von privater Seite zur Entsorgung von GFK.“ Probiert wurde viel, die Technologie wäre vorhanden, aber wirtschaftlich ergibt GFK-Verwertung keinen Sinn und regulative Anreize lassen vielfach zu wünschen übrig. Dennoch ist das Zeug ein globales Umweltproblem, vor allem für kleine Inselstaaten, die wir so gern besuchen, die aber mit Plastikmüll in jeglicher Form nichts anfangen können, außer ihn im Meer zu versenken.

Dabei sind auch Innovatoren zu erwähnen, die sich dem Problem stellen: In Norwegen entsorgt Ecofiber Altboote und findet für den Abfall neuen Nutzen. In Frankreich kümmert sich der Nonprofit APER um GFK-Wracks, finanziert von Werften und Bootseignern. In Italien testet ein Startup namens Korec die Trennung von laminierten GFK-Fasern und Harzen auf industrieller Ebene. Und Northern Light Composites in Monfalcone baut ein Opti-ähnliches „Biodingi“ aus erneuerbaren Flaxfasern und thermoplastischem Harz, um das Laminat später zur Verwertung trennen zu können. Die Jungs denken das Ende schon am Anfang mit. Wäre toll, würden solche Ideen Schule machen, nicht nur im Bootsbau.