Erst Abi, dann Alaska

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Surfen in Hawaii? Safari in Sambia? Trekking in Nepal? Maturareisen zu exotischen Destinationen sind en vogue. Wer authentisches Abenteuer im Sinn hat, könnte es auch wie Henry Veitenhans machen. Der 17-Jährige schloss kürzlich die Highschool in Port Townsend im US-Bundesstaat Washington ab und erklärte das berüchtigte Race to Alaska zu seiner Maturareise: 750 Meilen im offenen Boot nach Ketchikan, bei knapp zweistelligen Wasser- und Lufttemperaturen. Erlaubte Vortriebsmittel: Wind und Muskelkraft.

Gemeinsam mit seinem Vater baute Henry einen sieben Meter langen, ketschgetakelten Knickspanter aus Alu mit zwei Masten und vier Ruderstationen. Segel, Spieren und Riemen stammen ebenfalls aus eigener Manufaktur. North 2 Alaska, kurz N2AK, nennt sich dieses Grassroots-Team, bestehend aus drei Schulfreunden von Henry sowie Papa Greg, einem Berufsfischer mit deutschen Vorfahren, der auch als Crew und Co-Capt’n angeheuert wurde. "Eigentlich fahren wir nur zur Arbeit", scherzt Henry, während er am Tag vor dem Start sein rotes Mercedes-Cabrio durch den Ort chauffiert. "Gleich nach dem Race gehen wir nämlich im Golf von Alaska Lachse fischen." Das war seit Kindesbeinen sein Sommer-Gig und brachte ihm das Kleingeld ein, mit dem er sich den Daimler leisten konnte.

"Wir haben unsere Kinder schon sehr früh zum Fischen mitgenommen", erklärt Mutter Ava. "und dafür wurde ich heftig kritisiert. Aber erstens bin ich nicht der Typ, der daheim bleibt, zweitens ist das Fischen unser Lebensunter- und -inhalt und drittens wollten Greg und ich, dass die Kinder sehen, woher unser Geld kommt." Anpacken ist also Programm.

Segelerfahrung hat nur einer im N2AK-Team, das macht aber nix, denn in diesem Rennen sind ohnehin in erster Linie Nehmerqualitäten und Stehvermögen gefragt. Und wer im Golf von Alaska Fische fängt, hat genau das im Repertoire – oder den falschen Job. "Man lernt schnell, Probleme zu lösen", weiß Ava.

Und Probleme gab’s auf N2AK jede Menge: Verlorener Tracker, verspäteter Start, Sturm mit Windstärke 8, Notbiwack am Strand. Doch die Truppe steckte alles weg, geigte groß auf und lag bei Redaktionsschluss Kopf an Kopf mit deutlich leistungsfähigeren Booten. Man könnte sich von Henrys Abenteuer eine Scheibe abschneiden. Verdammt hart, aber authentisch. Zum Teufel mit exotisch.

www.r2ak.com

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