Frisches Blut

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Anfang Oktober im besten Schwitzklima Floridas: International BoatBuilders' Exhibition and Conference, kurz IBEX. Drei Tage lang Ausstellungen und Seminare, bei denen erklärt wird, was los ist in der boomenden Branche und was demnächst kommt. Zum Beispiel: Boote, die aus dem 3D-Drucker stammen. Lichterketten, die in Sitzpolster eingenäht werden. Kreiselstabilisatoren, die für kleine Motorboote geeignet sind. Hybrid dies und das. Ein Wasserstoffantrieb, der mit Meerwasser funktionieren soll. Und wie immer, bessere Getränkekühler und Stereoanlagen.

Mitten drin ein älterer Herr. Volles weißes Haar, gepflegter Schnurrbart, lebenslustiger Typ. Südländer. Kiko Villalón stammt aus Kuba und war 1960 in die USA geflohen, samt Frau und drei Kindern, mit ganzen fünf Dollar in der Tasche. Bald fand er Arbeit als Bootsbauer, später wurde er Konstrukteur, Ingenieur und Unternehmer. "Das erste, was ich tat, als ich einen Job hatte, war ein Drei-Meter-Dingi anzuschaffen, mit dem ich meinen Kindern Segeln, Rudern und die Liebe zum Wassersport beibrachte. Wohl deshalb hat meine unmittelbare Familie später 46 Boote besessen."

Was ist heute anders, wollte ich von Kiko wissen. "Technologie und die damit verbundenen Kosten", lautete die Antwort. Damals, so Villalón, hatten Boote wenige und einfache Beschläge: Positionslichter, Windschutzscheibe, Belegklampen, zwei Instrumente, fertig. "Genug, um aufs Wasser zu kommen, genug zum Wasserskifahren, Schwimmen oder um eine Insel zu besuchen." Doch er hat auch eine Grafik parat, die Bootszulassungen von 1960 bis heute in den USA darstellt. Bis 2005 stiegen sie kontinuierlich an, bis etwa 13 Millionen Stück. Aber seither geht's bergab, sodass der Nettoabrieb mehr als eine Million Boote beträgt.

"Ich glaube, heute wird zu viel teure Technologie verbaut. Das treibt den Preis schneller in die Höhe als das verfügbare Einkommen steigt. Wer ein größeres Boot braucht, kann es sich oft nicht leisten, und gibt daher den Sport auf." Laut Villalón gibt es auch nur noch drei US-Werften, die Boote für Einsteiger bauen.

Seine Lösung: "Wir müssen erstsemestrige Bootsfahrer ausbilden, damit die Zulassungen auf lange Sicht wieder steigen. Wenn zehn Werften pro Jahr je ein Dutzend kleine und einfache Boote bauen, sich dabei sowohl die Arbeit als auch die Kosten teilen und die Schwimmuntersätze Organisationen spenden, die Kinder mit den Freuden des Wassersports vertraut machen, werden aus diesen Bootsfreunde auf Lebzeiten."