Idee für den See

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Technologiewandel lässt sich im historischen Kontext auf Motor- und Segelboote abbilden. Wie zum Beispiel das Ping-Pong-Spiel, das Ende des 19. Jahrhunderts begann, als der Mensch sich anschickte, den kontrollierten Flug zu erlernen. Der gelang bekanntlich den Gebrüdern Wright erstmals 1903 und nur drei Jahre später raste der italienische Ingenieur Enrico Forlanini mit einem 60-PS-Mobo auf Foils mit fast 37 Knoten über den spiegelglatten Lago Maggiore. Fliegen am Wasser gleicht dem in der Luft. 1918 foilte der Erfinder des Telefons, Alexander Graham Bell, zu einem Weltrekord und danach entwickelten Deutsche, Russen und Amerikaner foilende Kriegsschiffe mit brachial vielen PS. Doch der nächste wichtige Impuls kam nicht von Flugzeugturbinen, sondern vom Wind, der unregelmäßig und vergleichsweise wenig Kraft liefert. Foilende Segelboote nahmen 1938 ihren Anfang mit der Konstruktion des Amerikaners Bill Carl. 1955 wurde die Monitor gewassert, die sogar 40 Knoten geschafft haben soll. In den 1970ern gab’s bei der Weymouth Speedweek foilende Tornado-Kats, 1980 brach Eric Tabarly mit dem foilenden Trimaran Paul Ricard den Transatlantik-Rekord. Doch so richtig in Fahrt kamen ”fliegende Segelboote” erst in den 1990er Jahren mit dem Serienboot Hobie Trifoiler und der Moth-Klasse, zwei Wegbereitern für die vielen foilenden Multihulls, vom olympischen Nacra über AC-Renner bis zu den gigantischen Trimaranen. Auch Kielboote wie IMOCAs oder Mini 650 foilen nun unverschämt, wie auch Laser und Opti. Für alle gilt: Mit wenig(er) Widerstand reicht wenig(er) Power zum Brettern. Und das ganz ohne Wellen.

Jetzt sind wieder Mobos an der Reihe. Dabei geht’s nicht um schnell, sondern um sparsam. Ehemalige America’s Cup Ingenieure wie Paul Bieker, Joseph Ozanne oder Dirk Kramers entwickeln foilende Motorboote, wie zum Beispiel die elektrisch angetriebenen Seabubbles (ein Taxiboot) und Candela (ein schwedisches Serienprojekt). Oder einen foilenden 9-Meter-Sperrholzkat mit zwei 60-PS Außenbordern und Kajüte, der ab Frühjahr Dienst tun wird. Solche Boote sind akribisch konstruiert und leicht gebaut, heben mithilfe verstellbarer Foils ab und sparen fassweise Sprit im Vergleich zu ihren schwerfälligen Cousins, die ihre Rümpfe mühsam durchs Wasser schieben. Wär das nicht auch schick für den See?