
Selten, sehr selten sind sie, meine Ausflüge in die Welt der Gashebel-Kapitäne. Schade, denn dabei trifft man nettes Volk, wie ich unlängst beim Rendezvous mit einem populären Hersteller in der Inselwelt Kanadas feststellen konnte. Meist sind es Angehörige der Generation Gleitsichtbrille, die genug zur Seite gelegt haben, um sich in der Pension ein Bötli leisten zu können, mit dem sie dann, samt Partner, Pudel und Schlaucherl, Ausflüge in die maritime Wildnis unternehmen. Am besten mit Gleichgesinnten. Das Groteske dabei: Rationale, intelligente und rücksichtsvolle Menschen werfen die Leinen los, um einem gängigen, aber zunehmend riskanten Ritual zu huldigen: Zündschlüssel drehen und losjockeln im Dezibel-Gewitter der Motoren, nach dem 20/20-Prinzip: 20 Knoten bei 20 Gallonen (ca. 76 l). Pro Stunde. Und sie nennen es: Urlaub.
Danach Tapetenwechsel: Ziska, Baujahr 1903, ein Gaffelkutter, entworfen zum Krabbenfischen im Nordwesten Englands, das älteste Schiff, das je beim Race to Alaska an den Start ging. Über die Spieren knapp 16 Meter lang, etwa 12 Tonnen schwer, etwa 100 m2 Am-Wind-Segelfläche. Motor? Fehlanzeige. Dafür zwei Ruder und ein Wriggriemen. Topspeed unter Tuch: Matte 4,5 Knoten. Unter Muskelkraft: Atemberaubende 0,6 Knoten. Höhe am Wind: 70 Grad. Spritverbrauch und Betriebsemission: Null. Ein Vehikel aus einer Zeit, in der die Fahrpläne von der Natur gemacht wurden. Zwei Knoten Strom aus der falschen Richtung bedeutet Schicht im Schacht. Ankern und warten. Das dazu passende Schiffsmotto: Sail like a luddite. Segeln wie ein Technikfeind. Damit eine Langstreckenregatta zu bestreiten, ist ein Widerspruch in sich. Oder hirnrissig, je nachdem. Es ist eine Ambition, sagt Ziskas Eigner Stanford Siver mit mildem Lächeln, denn das habe bisher keiner gewagt. Aber es sei auch Therapie, denn bei diesem Denkansatz zählt der Weg mehr als das Ziel. Man lerne, Zeit anders zu begreifen und sich vom Zwang zu befreien, seine Agenda auf Teufel komm raus und ohne Rücksicht auf andere(s) durchzusetzen. Das muss man ein bisschen sacken lassen und stellt dann fest: Der Mann wirft mit geradezu schwindelerregenden Gedanken um sich.
