
Wie geht’s? Dieser Frage ist momentan das Floskelhafte abhandengekommen. Man will’s wirklich wissen. Eine ehrliche Antwort fällt allerdings schwer, denn kein Hund hat einen Kompass, der den Kurs in die Zukunft weist. Es wird eine neue Normalität geben, doch die wird der Gewöhnung bedürfen.
Äußerlich wankt und schwankt gerade vieles. Der Graben der sozialen Ungerechtigkeiten wird breiter und tiefer. Besonders hier in den USA, wo ein inkompetenter Soziopath sich als absolutistischer Monarch geriert, um korrupten Kumpanen Milliarden in die Taschen zu wirtschaften, die dann z.B. im Gesundheitssystem fehlen. Dabei denke ich nicht nur an fehlende Tests und Schutzausrüstung oder viel zu niedrig veranschlagten Opferzahlen. Besonders besorgt bin ich um eine Freundin, die prekär versichert, auf eine Lungentransplantation zusteuert und für die eine Infektion einem Todesurteil gleichkäme. Oder um den Lachsfischer, dessen Schoner im Hafen festliegt, während seine Einnahmen wegbrachen, weil alle Gastrokunden zusperren mussten. Oder um die vielen kleinen Bootsbauer und Werftbetriebe, die landauf, landab dicht machen und Leute entlassen. Finanzielle Unterstützung? Im Jenseits, vielleicht.
Natürlich gibt’s auch Gutes zu beobachten: Keine Gelegenheit zum frivolen Geldausgeben schont das Konto. Leere Straßen gehören endlich den Radlern. Die Tochter, wider Willen zurück vom College, entwickelt Ambition in der Küche. Neue Gemüsebeete stehen im Garten. Kein Flugzeug ruiniert die Ruhe. Die Luft ist sauber und die Nächte sind sternenklar. Befreit von Alltagshektik unterhält man sich wieder mehr miteinander, auf Distanz, natürlich. So mancher setzt sich mit Tabuthemen wie Sterblichkeit und Kontrollverlust auseinander, und sei’s nur per Videoschaltung mit dem Seelendoktor.
Boote, vor allem solche mit Segeln, Riemen und Paddel, mutieren bei dieser Gemengelage zum therapeutischen Gerät. Besonders wenn sie vor der Haustür zum Gebrauch einladen. Hinradeln statt hinfliegen. Gemütlich mit Wind oder Muskelkraft eine Runde am See, Fluss oder Baggerteich drehen, statt auf einem gecharterten Zweirumpfapartement besinnungslos durch die Karibik zu brettern, mit röhrendem Generator natürlich, der Klimaanlage, der Espressomaschine und der Tiefkühltruhe zuliebe. Weg von Selfie-Seuche und materiellem Protz, hin zur Erkenntnis, dass Stille und Langsamkeit bessere Erlebnisgaranten sind als das sonst allgegenwärtige Kommerzgetöse. Unter Umständen könnte dann nämlich eine ehrliche Antwort auf die Eingangsfrage lauten: Besser.
