Medaillen und Millionen

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Viel wurde gelästert über die heimischen Athleten in Rio, deren Abschneiden lange Zeit zur Nullnummer zu geraten drohte, so wie 1964 oder 2012. Und dann die Rettung. Durch die erste Segelmedaille in Bronze überhaupt, errungen von Thomas Zajac und Tanja Frank, dem laut New York Times „sehr blonden“ österreichischen Nacra17-Team. Nicht viel, nicht genug, doch immerhin: Eine ist besser als keine, auch wenn sich die Sportöffentlichkeit mehr Dividende vom Projekt Rio erhofft hat.

Die Segler, die seit 2000 fünf Medaillen holten, haben’s also wieder gerichtet. Die kleine Truppe erntete auf der Guanabara Bay übrigens exakt so viel wie Russland, USA oder Deutschland. Überrascht hat es mich nicht. Im Gegenteil, es wäre auch mehr möglich gewesen. Überraschend ist eher, dass das Binnenland Österreich in einer Zeit, in der Erfolg direkt mit finanziellem Aufwand korreliert, in einer kostspieligen Sportart wie dem Segeln beständig mitmischt und dabei gegen mächtige Konkurrenz besteht, wie die Engländer, die 1996 im Jammertal waren, seither aber mit 22 Segelmedaillen das Maß der Dinge darstellen.

Laut Guardian flossen für Rio 2016 mithilfe der staatlichen Lotterie insgesamt mehr als 350 Millionen Pfund (etwa 400 Millionen Euro) in die Förderung der englischen Athleten in ausgewählten Sportarten. Je mehr Geld, desto mehr Erfolg. Je mehr Erfolg, desto mehr Geld. Nimmt man die insgesamt 67 britischen Medaillen in Rio, betrug die Förderung im Schnitt 6 Millionen Euro für einen Platz am Stockerl, sogar mehr als 9 Millionen Euro, wenn man die drei Segelmedaillen in Bezug zur spezifischen Förderung setzt, die fürs Segeln 24,5 Millionen Pfund oder 28 Millionen Euro betrug. Sie nennen das den No-Compromise-Approach.

Man kann nun rechtens argumentieren, dass Österreich nicht in solchen Dimensionen kalkulieren kann, oder dass Geld nicht alles ist. Aber es schafft Voraussetzungen, die für langfristigen Erfolg unerlässlich sind. Bei Olympia herrscht kein Gleichheitsprinzip bei den Wettbewerbsvoraussetzungen. Das sollte man nicht vergessen, bei aller Freude über diese Bronzemedaille.