
Selten, dass das Internet keine Antwort kennt, doch keine Suchmaschine weiß etwas über 505er in Österreich. Klassenvereinigung? Eintrag im ÖSV-Regattakalender? Nema nista. „Kennt man, ist aber nicht sehr verbreitet”, verlautete es aus der YR-Chefredaktion. Schade, denn dieses athletische Zwei-Personen-Dingi, das Anfang der 1950er in Frankreich als Coronet-Klasse auftauchte, geht seit bald 70 Jahren mit der Zeit. Gut, es bedurfte invasiver Chirurgie von Konstrukteur John Westell, der seine 5,50 m lange Coronet aus praktischen Überlegungen auf 5.05 m stutzte (daher der Name). Das tat dem Boot gut: Es wurde leichter, billiger und beweglicher, alles Attribute, die bis heute ziehen.
Unlängst habe ich in Kalifornien einen Ur-505er aus Mahagoni besichtigt. Ein Museumsstück, gebaut 1954 beim Flugzeugwerk Fairey in England. Staub der Geschichte in der Bilge, Tufnol-Klemmen, datierte und gestempelte Baumwollsegel von Ratsey & Lapthorn, Bronze-Beschläge und ein bisschen Harken-Klimbim. Kein Vergleich mit den komplexen Trimmsystemen der aktuellen Boote, doch die Rumpfform hat sich kaum geändert. Beides beweist, wie gut Westells Konstruktion war und wie gut die Klasse Einheitsregeln und technische Weiterentwicklung jongliert. „Die Bauweise des 505er spiegelt die des FD wider”, führt US-Bootsbauer Larry Tuttle aus, „vom formverleimten Holz über GfK bis zu High-end-Verbundstoffen. Nomex-Honigwaben-Sandwich mit Epoxy-Infusion kam z. B. schon 1978 auf.“ Fazit: Die Boote sind langlebig und Gebrauchtware bleibt konkurrenzfähig.
Regatten sind gut besucht: Bei der letzten WM in Fremantle, Australien, waren 89 Mannschaften am Start, inklusive einer Crew unter rot-weiß-roter Flagge. Nobodies messen sich mit Top-Seglern wie dem Amerikaner Mike Martin (regierender Weltmeister), dem deutschen 470er-Ass Wolfgang Hunger und der dänischen FD-Legende Jørgen Bojsen-Møller. Oder das Feld segelt Meike Schomäker hinterher, die mit Holger Jess an der Vorschot 2011 und 2015 bei der EM allen den Heckspiegel zeigte. Events sind gut organisiert, auch weil der segelverrückte Software-Titan Hasso Plattner (SAP), der bis weit jenseits von 60 im 505er gut mithalten konnte, die Klasse weiterhin unterstützt.
Dabei war der 505er nie olympisch. Ein Manko? „Wollten wir mal, scheiterten aber”, sagt der ehemalige US-Klassensekretär Gil Peterson, 77, seit mehr als 60 Jahren Eigner des angesprochenen Ur-505ers. „Wir kamen davon ab und rückblickend wäre es ohnehin eine schlechte Idee gewesen.“
